Unruhe in Marienthal

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Die Info-Veranstaltung verlief ruhig. Viele Besucher boten ihre Hilfe an Foto: kg

Riesen-Andrang bei Info-Abend zu geplantem Flüchtlingsdorf auf Concordia-Areal

Wandsbek Die Informationsveranstaltung zum Thema Zentrale Erstaufnahme auf dem Concordia-Gelände in der Oktaviostraße war so gut besucht, dass viele Interessierte nur noch einen Stehplatz am Fenster fanden. Hunderte suchten hier Antworten auf offenen Fragen zur Unterbringung von bis zu 1000 Flüchtlingen im Marienthal.
„Lassen Sie uns hier nicht über die aktuelle politische Lage in Deutschland diskutieren“, bat Frank Schwippert, der stellvertretende Bezirksamtsleiter, gleich zu Anfang der Informationsrunde. Eine halbe Stunde lang erklärte Johanna Westphalen von der zuständigen Innenbehörde, warum jetzt jeder Standort in Hamburg geprüft werden müsse und warum viele Punkte in Sachen Planung und Organisation schon außer Acht gelassen würden. „Wir befinden uns in einer absoluten Notlage“, so Westphalen und „mit teilweise bis zu sechshundert Menschen, die jeden Tag in Hamburg ankommen, stoße die Behörde auch immer schneller an ihre Grenzen.“ Zur Bewältigung der wachsenden Flüchtlingsströme, die Johanna Westphalen mit einer Völkerwanderung verglich, suche man ganz intensiv nach weiterem Personal sowohl für die administrative Bewältigung der Lage, als auch für die Betreuung der Menschen in den Unterbringungen.
Ganz konkret soll auf dem Concordia-Gelände zunächst in dieser Woche mit dem Aufbau von 22 Zelten durch die Bundeswehr begonnen werden. Im ersten Abschnitt der Maßnahme wird es eine zentrale Erstaufnahme in der Oktaviostraße geben, damit die sechzehnte in Hamburg, in der bis zu 350 Menschen theoretisch nicht länger als drei Monate bleiben sollen. „In der Praxis sieht das zurzeit anders aus“, bedauert auch Melanie Anger von Fördern und Wohnen, der Institution, die alle in Hamburg bestehenden Unterkünfte betreut. Viele der Flüchtlinge würden auch länger in den Erstaufnahmen bleiben, weil man mit dem Bau von Containeranlagen gar nicht nachkomme und auch die Beschaffung ein Problem sein. „Ja, es ist für alle eine Zumutung, aber wir haben keine andere Wahl“, sagt Frank Schwippert. Niemand dürfe in Hamburg auf der Straße stehen gelassen werden. Nach der Unterbringung in Zelten soll es auch auf weitere Sicht Containern auf dem Concordia-Gelände geben. Achthundert bis eintausend Menschen sollen dann dort Platz finden. Das Verständnis für die Lage der Hilfesuchenden und die Bereitschaft selber aktiv zu werden überwog an diesem Abend. Nur ganz vereinzelt kamen Zwischenrufe, die von immer denselben zwei bis drei Besuchern stammten. Heike Seemann und Siegried Balke, die im direkten Umfeld der ZEA im Marienthal wohnen, planen bereits, wie sie helfen können. „Deutschunterricht würden wir anbieten, gern auch mit Kinder spielen und Kleidung sammeln für die Flüchtlinge.“ (kg)
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