Unterwegs mit einem Fernpendler

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Fast sechs Stunden ist Pendler Frank Klusmann täglich mit Bahn und Bus unterwegs Fotos: ks, thinkstock

Frank Klusmann fährt täglich von Bremen nach Barsbüttel zur Arbeit

Hamburg Morgens exakt um 3.46 Uhr ist die Nacht für Frank Klusmann (51) zu Ende – der Wecker reißt ihn aus dem Schlaf. Bereits am Abend zuvor hat der Fachverkäufer alles akkurat bereit gelegt – Unterwäsche, Hemd, Hose, Strümpfe – alles auf einem Stuhl, denn um diese Zeit muss es schnell gehen. Duschen, anziehen, ein kurzes Frühstück, ein Blick auf die Uhr – um genau 4.48 Uhr verlässt Frank Klusmann seine Wohnung und macht sich auf den Weg zur Frühschicht in einem Baumarkt. Der liegt in Barsbüttel, rund 140 Kilometer von seinem Wohnort Bremen entfernt. Dort wird er, wenn alles gut läuft, um 7.45 Uhr eintreffen, um 8 Uhr beginnt sein Dienst, vier Stunden und 14 Minuten nach dem Aufstehen.

Klusmann gehört zu den rund drei Millionen sogenannten Einpendlern in Deutschland, also Beschäftigte mit einem Wohnort in einem anderen Bundesland. Die Zahl dieser Pendler hat sich in zehn Jahren um 27,9 Prozent erhöht und mit ihnen auch die Zahl der Fernpendler, die eine Stunde und länger unterwegs sind.

Die Anreise zu seinem Arbeitsplatz, in dem Frank Klusmann seit sieben Jahren für die Elektro-Abteilung zuständig ist, teilt sich in vier Etappen: Zu Fuß zum Bremer Hauptbahnhof – 20 Minuten braucht er dafür. Um 5.28 Uhr geht sein Zug über Rotenburg, Tostedt, Buchholz und Harburg nach Hamburg. Ankunft, ohne Verspätung: 6.38 Uhr. Dann geht es von Gleis 13 runter zur U 1 – neun Minuten braucht die Bahn bis zur Station Wandsbek-Markt. Um 7.07 Uhr fährt Klusmann mit dem Bus 263 zur Endstation nach Barsbüttel. Das Ganze abends ab 16.30 Uhr nach Feierabend wieder Retour. Um 20.45 Uhr ist er wieder in seiner Wohnung in Bremen – wenn alles nach Plan läuft. „Zum Glück brauche ich nur drei Stunden Schlaf, um wieder fit zu werden“, erklärt er.

Der Reise-Marathon hat seinen Preis: 291 Euro monatlich zahlt Frank Klusmann fürs Bahnticket, 103,70 Euro für die HVV-Karte, zusammen also 394,70 Euro. „Ich kann es als Pendler-Pauschale aber von der Steuer absetzen, das machts etwas erträglicher“, meint Klusmann. Nicht immer findet der Pendler dabei einen Platz. „An manchen Tagen gerate ich auch mal in einen sogenannten Sardinenzug, da muss ich stehen“. Und nicht immer verlaufen die Fahrten ruhig: Er hat schon randalierende Fahrgäste erlebt und auch Gestrandete aus seinem Proviant-Rucksack versorgt. Frank Klusmann könnte sicher auch in Bremen einen Job finden. Warum also Barsbüttel? „Hier herrscht ein gutes Betriebsklima, außerdem ist das Unternehmen sehr sozial eingestellt, beschäftigt relativ viele ältere Arbeitnehmer“. Übrigens: Seine Verlobte Jutta hat Frank Klusmann nicht im Zug kennen gelernt, sondern in einem Baumarkt. (ks)

In Hamburg waren im Juni 2015 insgesamt 573.847 Pendler aus den übrigen Bundesländern beschäftigt. Von diesen kommen 169.318 aus Schleswig-Holstein, 97.309 aus Niedersachsen, 14.820 aus NRW, 12.497 aus Mecklenburg-Vorpommern, 8.645 aus Berlin und 4.409 aus Bremen.
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