Uwe Enge begeistert mit Texten aus dem Leben

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Uwe Enge mag den Poetry Slam und hat auch schon manchen Sieg nach Hause tragen können. Foto: kin

Der 73-jährige „Senior Slammer“ steht regelmäßig auf der Bühne

Von Kirsten Netzow
Dulsberg. „Ich freue mich, dass die jungen Leute Opa überhaupt mitmachen lassen“, sagt Uwe Enge und lächelt verschmitzt. Mit „Opa“ bezeichnet sich der 73-Jährige selbst und mit den jungen Leuten sind die überwiegend jüngeren Teilnehmer von Poetry Slams gemeint. Seit nunmehr 14 Jahren mischt der Rentner aus Ellerau in der Szene mit und hat auch schon manch einen Sieg nach Hause tragen können. Als Poetry Slam bezeichnet man einen literarischen Vortragswettbewerb, bei dem die Zuschauer mit der Lautstärke ihres Applauses über den Gewinner entscheiden. Neben freien Darbietungen gibt es auch sogenannte Themenslams. Doch die sind nichts für den alten Hasen Enge, er wählt das Thema seiner Geschichten lieber frei: „Ich mache, wie ich will und lasse mich nicht verbiegen“, sagt er selbstbewusst. Zudem mag er es authentisch: „Ich muss emotional etwas zu sagen haben, dann bekomme ich auch den Kontakt zum Publikum.“ Eine große Freude sei für ihn, wenn jemand nach einem Vortrag auf ihn zukommt und sagt: „Das war ein toller Text!“ Mehrfach nahm er bereits am Dulsberg Poetry Slam im Kulturhof Dulsberg teil. Diese, vier Mal im Jahr stattfindende Veranstaltung, lockt nach Aussage des Stadtteilbüros Dulsberg meist jüngere Besucher an, die sich positiv darüber äußern, dass es in ihrem Stadtteil einen Slam gibt.
Mit Beginn des Ruhestands fing Uwe Enges schreiberisches Schaffen an. Gerne textet er über Kurioses aus seiner Zeit als Installateur und lässt wahre Begebenheiten mit in die Geschichten einfließen. „Meine Geschichten sind zu circa 90 Prozent autobiografisch“, sagt der gebürtige Hamburger, der im nächsten Jahr Goldene Hochzeit feiert. Auch ein bisschen Schlüpfriges darf nicht zu kurz kommen und so hat der Wortkünstler sogar mal einen Erotik-Slam gewonnen. Einen Slam für sich zu entscheiden, sei für Enge nicht wichtig. „Dabei sein ist alles“, so der Rentner. Bei seinem schriftstellerischen Wirken lässt er sich stets viel Zeit. So denkt er zuerst lange über eine Idee nach, bis er sich ans Schreiben macht, zunächst mit der Hand. Das Ergebnis landet dann in der Ablage, seinem „Gärtopf“. Nach und nach werden diese Texte dann mit dem Computer transkribiert und auf ihre Lesbarkeit vor Publikum geprüft. Eine spezielle Nummerierung und ein ausgeklügeltes Ablagesystem garantieren Ordnung.
Zu seinem Repertoire zählen 265 selbst geschriebene Texte sowie ein paar eigens komponierte Lieder. In mehreren Anthologien veröffentlichte er bereits, auch das Handwerkerblatt druckte Texte von ihm ab. Im Herbst/Winter erscheint ein Kinderbuch. Material dafür hat er beim Spiel mit seiner Enkeltochter gesammelt. Die Inhalte der Texte, die er auf der Bühne vorträgt, speisen sich oftmals aus Kindheitserinnerungen an Kriegszeiten. Erzählungen von seiner ersten Liebe, Erlebnisse aus der Tanzstunde. „Ich verstehe mich als lebendiges Museum und möchte die jungen Leute gerne an die damalige Zeit heranführen“, so der Hobbyautor. Und wenn er nicht schreibt? Dann ist Uwe Enge immer noch durch und durch Handwerker und arbeitet gerne in seinem Haus und Garten in Ellerau.
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