Verseuchter Boden?

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Tür an Tür mit dem Chemiewerk: Hier spielen im Sommer Kinder. Die Kleingärtner sind in unmittelbarer Nachbarschaft zum Werksgelände. Foto: nk
 
Bevor es zur Unterschrift auf einem Sanierungsvertrag kommt, will die GRÜNEN-Politikerin Astrid Boberg Klarheit über das Chemiewerk an der Helbingstraße. Foto: nk

Chemiewerk Helbingstraße: GRÜNE fordern Aufklärung

Von Nicole Kuchenbecker
Wandsbek. Welche Umweltbelastungen gehen von dem Chemiewerk Helbingstraße aus? Es kursieren Gerüchte und in jedem Gerücht steckt ja bekanntlich auch ein Funken Wahrheit. Und genau diesen wollen die Abgeordneten der Grünen in Wandsbek finden. Allen voran ihre stellvertretende Fraktionsvorsitzende, Astrid Boberg. Denn ein Sanierungsvertrag der Hansestadt mit dem Betreiber des Chemiewerkes Cytec soll korrekt und umfassend geschlossen werden. Offiziell weiß die Politikerin über den Inhalt nichts Genaues. Es gibt also Klärungsbedarf.
In der Bezirksversammlung im Februar brachte die
GRÜNE Abgeordnete Astrid Boberg bereits das Thema auf den Tisch: Das Chemiewerk an der Helbingstraße, das sich auf Produktion von Kunstharzen und deren Verarbeitung spezialisiert hat, birgt „Risiken“ für Wandsbek. „Heute würde man so ein Chemiewerk nicht mehr in einer Wohngegend ansiedeln“, erklärt die Grüne im Gespräch mit dem WochenBlatt.
Mitten im Wohngebiet
Doch als 1933 das Werk gegründet wurde, war das anders. Nur wenige Meter vom Industriegelände entfernt, befindet sich der Kleingartenverein „Grüner Weg“ von 1920. Der Anblick ist befremdlich und macht nachdenklich: Bunte Gartenlauben mit Klettergerüsten und Sandkästen davor. Ein Dreirad ist im Wintergarten geparkt. Hier spielen Kinder. Und im Hintergrund unverkennbar die Chemieanlagen. Sie glänzen in der Sonne. Es ist ruhig; noch liegt Schnee. Es ist nicht viel los in der Kleingartensiedlung. Doch im Frühjahr wird sich das ändern.
Und da es in der Vergangenheit immer wieder Unfälle in dem Werk gegeben hat, will Astrid Boberg jetzt klären, wie verseucht das Gebiet der Chemiefabrik und das Gelände wirklich ist. Immerhin sind in unmittelbarer Nachbarschaft Kleingärten, Wohnhäuser und Sportplätze angesiedelt.
„Der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt ist bisher nicht bekannt, dass das Gebiet der Chemiefabrik nennenswert mit Schadstoffen kontaminiert ist“, so die Politikerin in ihrem Debattenbeitrag im Februar.
Um Klarheit zu schaffen, soll Anfang April eine große Anfrage in die Bezirksversammlung eingebracht werden. Es ist ein offizielles Auskunftsersuchen an die Fachbehörde für Stadtentwicklung und Umwelt.
Gefährdungspotential
Es geht um die Altlasten in Wandsbek: Gefährdungspotential, Gesundheitsauswirkungen, Deponiegase, Sanierung und Grundwasserbelastung. „Wir wollen die Bevölkerung schützen. Hierbei geht es uns um gesundheitliche Risiken für die Anwohner und Kleingärtner und finanzielle Kosten, die bei einer Sanierung auf uns zukommen könnten“, sagt Astrid Boberg, die einen geplanten Sanierungsvertrag nicht einfach blauäugig hinnehmen mag. „Wir wissen ja gar nicht, was da festgeschrieben wird“, führt sie aus, „wurde auch an alles dabei gedacht?“
Wenn man nicht weiß, was auf dem Gelände und möglicherweise auch in der unmittelbaren Nachbarschaft alles kontaminiert ist, kann man nur schwer geeignete Maßnahmen zur Sanierung treffen. Boberg ist sich sicher, dass die Fachbehörde ihre Anfrage ordentlich und in der vorgegebenen Frist von sechs Wochen bearbeiten wird. Erst dann wird sich vielleicht zeigen, was an der Helbingstraße im Laufe der Jahre wirklich alles geschehen ist.
Grundwasser untersucht
„Fest steht aber schon heute, dass das Grundwasser auf dem Betriebsgelände verunreinigt ist. Das Grundwasser wird seit 2002 gezielt untersucht“, so die Politikerin weiter. Was das für eine Sanierung bedeutet, ist heute noch nicht klar. Boberg: „Sollte das Chemiewerk eines Tages schließen, dann ist das Unternehmen auch für die Sanierung des Geländes verantwortlich. Uns geht es darum, dass dies dann auch gewissenhaft durchgeführt wird.“ Daher muss schon jetzt Klarheit her. (nk)
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