Verständigung auf junge Art

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Gymnasiastin Sophie Hall hat das Projekt „KulturTeam“ gegründet. Es soll den Austausch und Kontakt zwischen den Nationen fördern Foto: wb

Rahlstedter Schülerin gründet „Kultur-Team“

Von Elke Grewe
Rahlstedt
Das neue Projekt „KulturTeam“ von Schülerin Sophie Hall soll den Kontakt zwischen den Nationen fördern
Angefangen hatte alles damit, dass Sophie Hall sich unbedingt für Andere engagieren, etwas Nützliches tun wollte. Die 17-jährige Schülerin, die die zwölfte Klasse des Gymnasiums Rahlstedt besucht, setzt sich mit dem Gelben Dorf in der Rahlstedter Straße 8 in Verbindung: ein Flüchtlingsheim, das seit 16. Juni 2014 besteht.

Nachhilfe in Deutsch


Leiterin Maren Oehmichen schlug ihr vor, Nachhilfeunterricht in Deutsch zu geben. Ein nigerianischer Junge, zwölf Jahre alt, war ihr erster Schüler. Einmal pro Woche gibt die gebürtige Rahlstedterin Nachhilfe im Flüchtlingsheim. Sophie Hall: „Bei meinen Besuchen war ich oft umringt von anderen Kindern und Jugendlichen. Sie alle wollten mit einem deutschen Mädchen reden. Kontakt zu anderen Kindern und Jugendlichen hatten sie ja sonst nicht. Das wollte ich ändern. Zusammen mit meinem Freund Robin Groth habe ich im März das Projekt ,KulturTeam‘ gegründet.“ Ziel des Projektes ist es, den Kontakt zwischen deutschen Jugendlichen und den jungen Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft zu verbessern. 18 Familien mit insgesamt 73 Kindern leben in dem Gelben Dorf, davon sind die meisten Kinder unter zwölf Jahre alt.
Die Familien sind großzügig in Wohnungen untergebracht, was eigentlich ein großer Pluspunkt ist verglichen mit den Unterbringungsverhältnissen der zirka anderen 20.000 Flüchtlinge in Hamburg. Doch was für die Kinder und Jugendliche ein großes Problem ist, ist die Isolation. In der Schule besuchen sie Integrationsklassen, so dass kein Kontakt zu anderen Deutschen besteht.

Gemeinsame Ausflüge


Das wollte Sophie Hall ändern. Der erste Schritt sollte die Gründung einer Gruppe von deutschen Schülern und Flüchtlingen aus dem ,Gelben Dorf` sein. Sie gestaltete Flyer, die auch Schulleiter Volker Wolter unterschrieb, und verteilte sie in ihrer Schule. Das Ergebnis: Es bildete sich eine Gruppe von je 15 Jugendlichen – aus dem Gymnasium und der Flüchtlingsunterkunft, in der überwiegend Syrier leben.
Doch so ganz reibungslos ging das Zusammenführen der Jugendlichen verschiedener Nationen doch nicht. Die Gymnasiastin: „Wir verabredeten regelmäßige Treffen, mussten aber schnell feststellen, dass die Menschen, die aus anderen Kulturen kommen, Begriffe wie Zuverlässigkeit nicht kennen. Sie sagten zu, kamen dann aber einfach nicht. Dann standen die deutschen Schüler allein da.“ Erst ganz allmählich klappte es mit den gemeinsamen Zusammenkünften. Sie picknicken gemeinsam, machen Gruppenspiele, Ausflüge und haben viel Spaß miteinander. Doch kosten dürfen diese Ausflüge bisher nichts. „Wir haben aber jetzt einen Antrag auf finanzielle Unterstützung bei der Bürgerstiftung gestellt. Dann können wir mit den Jugendlichen zum Beispiel in den Kletterwald gehen, weil wir das Geld für den Eintritt haben“, sagt Sophie.
Das Projekt „KulturTeam“ hat viele positive Auswirkungen: „Es hilft Vorurteile abzubauen. Viele Flüchtlinge haben früher schon mal negative Erfahrungen mit Deutschen gemacht. Dieser Eindruck ist jetzt viel positiver. Und auch bei den deutschen Schülern hat die Begegnung positive Effekte, erweitert sie doch unseren Horizont“, ist die Gymnasiastin überzeugt. Bei den gemeinsamen Treffen erzählt man sich, wie das Familienleben abläuft, lernt die Unterschiede kennen.

Weitere Pläne


Sophies Traum: Dass sich aus den großen Gruppentreffen „Zweier-Treffer“ herauskristallisieren, man sich gegenseitig in den Familien besucht und näher kennenlernt. Besonders gefreut hat sich die Gymnasiastin, die gleichzeitig auch mächtig fürs Abitur büffeln musste, dass sie bei ihrem Projekt so große Unterstützung von Heimleiterin Maren Oehmichen und Schulleiter Volker Wolter erfuhr.

Wer Lust hat, an dem Projekt mitzumachen, kann eine E-Mail schreiben:
info@kulturteam-hamburg.de
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