Viktoriapark: Anwohner protestieren

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Verkehrsplaner Philipp von Werder (l.) erläuterte das Gutachten Foto: bim
 
Vor der Veranstaltung stießen die Planunterlagen auf großes Interesse Foto: bim
Hamburg: Sieker Landstraße |

Verkehrsgutachten für geplanten Gewerbepark in Rahlstedt empört bei Info-Veranstaltung

Von Bigit Maurer
Rahlstedt/Stapelfeld
Für das im Grenzgebiet zwischen Hamburg-Rahlstedt und Stapelfeld im Kreis Stormarn geplante Gewerbegebiet wurde ein Verkehrsgutachten öffentlich vorgestellt. Dieses kam bei den Anwohnern nicht gut an. Viele Zahlen, Statistiken, Berechnungen und Prognosen stellte der Ingenieur Philipp von Werder (wfw nord consult) vor, doch die im Gutachten als beherrschbar vorhergesagten Verkehrsmehrbelastungen stießen bei den zahlreich erschienenen Anwohnern regelrecht auf Empörung: Die Straßen seien bereits jetzt schon überlastet und die Lärmbelästigung wird unerträglich, hieß es in vielen Bürgermeinungen, die vorgetragen wurden. Besonders Bewohner des Wiesenredders fühlten die wahre Verkehrslage verkannt und sprachen von „Schleichwegen“, die auch von Lastwagen genutzt würden.

Gefühlte versus gemessene Verkehrsbelastung


Geschwindigkeitsübertretungen würden zudem zusätzliche Gefahren bringen. Die gefühlte Verkehrsbelastung übersteigt offensichtlich die gemessene. Mit dem Ausbau der Sieker Landstraße und der Stapelfelder Straße auf jeweils vier Spuren, Kreisverkehren an Knotenpunkten, zwei entlastenden neuen Planstraßen, die die beiden Hauptstraßen verbinden, einem Ringverkehr im Viktoriapark und zusätzlichen Abbiegerspuren wollen die Verkehrsplaner dem drohenden Verkehrsinfarkt entgegen wirken. Prognostiziert werden auf der fast 47 Hektar großen Gesamtfläche der beiden neuen Areale mehr als 9.000 Fahrten pro Tag, davon 940 LKW. Im Minervapark mit etwas mehr als 20 Hektar, davon 14,5 Hektar auf Stapelfelder Gebiet, wird mit fast 4.000 Fahrten pro Tag, davon 419 LKW, gerechnet.

Senat will Projekt „durchboxen“


Maßnahmen wie ein Jobticket des HVV, die Schaffung von mehr Ladesäulen für Elektrofahrzeuge sowie Anpassungen des ÖPNV sollen hier für einige Entlastung sorgen. Diese Maßnahmen sind auf frühere Anregungen der Anwohner zurückzuführen. Diese fühlten sich jedoch trotzdem nicht Ernst genommen. Der Hamburger Senat würde das Projekt „durchboxen“, egal was die Bürger wollen, lautete der Tenor zahlreicher Wortbeiträge.

Ausgleichsfläche wird Gewerbepark


Die Bürgerinitiative „Rahlstedt131.de“ hat in einer Broschüre ihre Bedenken dargestellt. Sie zweifelt die grundsätzliche Richtigkeit der Messmethoden beim Verkehrsaufkommen und die Richtigkeit von Prognosen grundsätzlich an und wehrt sich gegen die Vernichtung von Natur zugunsten von Gewerbe. Auch die Notwendigkeit weiterer Gewerbeparks wird grundsätzlich bezweifelt. Besonders pikant: Das jetzt überplante Gebiet war einmal Ausgleichsfläche für den Merkurpark.

Verkehrsbelastung im Auge behalten


Die B-Pläne sind in der Vorbereitungsphase. Timo Wedemann-Korte vom Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung rechnet mit dem Beginn des B-Plan-Verfahrens Mitte des nächsten Jahres und einem Erschließungsbeginn nicht vor 2019.
Der Stapelfelder Bürgermeister Jürgen Westphal sieht die Planungen als positive Entwicklung für die Gemeinde an: „Bis jetzt ist in der Bevölkerung keine Stimmung dagegen auszumachen“. Man müsse allerdings die Verkehrsbelastung im Auge behalten und wie die Auffahrten zur Autobahn gestaltet werden müssen. Das alles soll jetzt in internen Fachgesprächen und den Ausschüssen beraten werden. Das neue Gewerbegebiet mit dem Namen „Viktoriapark“ auf Hamburger Seite sowie „Minervapark“ auf Stapelfelder Seite, soll sich an den bereits bestehenden „Merkurpark“, der zwischen Sieker Landstraße (L222) und Stapelfelder Straße liegt, entstehen. Dazu werden derzeit die Bebauungspläne Rahlstedt 131 und Stapelfeld 16 vorbereitet. Bisher werden die Flächen überwiegend landwirtschaftlich genutzt.

Weitere Infos: Bürgerinitiative „Rahlstedt131.de

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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 08.06.2017 | 13:25  
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