Vom Gruseln in Rahlstedt

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Die Autorin – hier mit Sohn Nael (3) liebt Rahlstedt, weil die Natur sie inspiriert Foto: Dagmar Gehm

Nadia Sahlenbeck schreibt Horrorkrimis und Albtraumgeschichten

Von Dagmar Gehm
Rahlstedt
Eine Mutter läuft hinter ihrem kleinen Jungen her, der am Bach Enten jagt. Eine total normale Szene im Park. Eigentlich. Doch stehen Löwenzahn, Gänseblümchen, bunte Spielgeräte und das fröhliche Kind äußerlich im starken Widerspruch zu dieser schlanken Frau, die ganz in Schwarz gekleidet ist an diesem sonnigen Frühlingstag, die pechschwarze Haare hat, ein Nasenpiercing und die seegrünen Augen mit dunklem Kajal umrahmt. Aus der Zeit gefallen scheint Nadia Sahlenbeck irgendwie, auch wie sie spricht und wie sie schreibt. Bei der Frage, ob sie lieber in einer anderen Epoche gelebt hätte, kommt die Antwort wie aus der Pistole geschossen: „Ja!“ Den Spagat zwischen Wunsch und Wirklichkeit schafft die 40-Jährige durch ihre Fantasien. Die sie in Gruselkrimis auslebt, in Horrorgeschichten. Als sie jünger war, mischte sie in der Gothic-Szene mit. „Doch später waren alle meine Freunde normal.“ 2011 zieht sie von Wuppertal nach Hamburg – der Liebe wegen. Jetzt lebt die gelernte Verkäuferin mit Sohn Nael (3) und Katze Nanni (2) in Rahlstedt. Seitdem der Kleine durch ihr Leben wirbelt, arbeitet die nebenberufliche Buchautorin als Reinigungskraft. „Der Einzelhandel ist nicht familienfreundlich“, sagt sie. Und vom Schreiben allein kann sie nicht leben. Noch nicht. Der Realität des Alltags entkommt sie am Abend. Wenn Nael schläft und alles um sie herum ruhig ist, taucht sie ab ins dunkle Reich ihrer Fantasie. „Dann kommen all die schwarzen Geschichten in mir hoch.“ Wie im Wahn schreibt sie, eine Story in zwei Tagen, Ideen, die sie tagsüber hat, setzt sie nachts um. Immer fällt ihr etwas ein. Manchmal dichtet sie völlig unbekannten Menschen grauenvolle Geschichten an. „Neulich habe ich ein Ehepaar gesehen und stellte mir vor, dass die Frau ihren Mann perfide vergiftet, weil er sie geschlagen hat.“ Mit vier Jahren habe sie bereits lesen und schreiben gelernt, sagt sie. Und mit sieben verschlang sie die Horrorliteratur des Schriftstellers Edgar Allan Poe (1809 – 1849): „Er besaß die Gabe, Ängste zu schüren“. Auch ihr Umfeld trug dazu bei, in Richtung Dunkeldichtung abzudriften. In dem alten Fachwerkhaus in Sprockhövel bei Wuppertal, wo sie aufwuchs, wurden unheimliche Geschichten gewispert. Etwa von der Frau des Hausbauers, die ermordet im Keller liegt. Gefunden hat man sie nicht, aber gefürchtet hat sich Nadia Sahlenbeck auch nicht, eher fasziniert, angezogen von dem Morbiden und Düsteren. Einiges aus der Kindheit hat sie in ihren Erzählungen inzwischen längst verarbeitet. Auch Rahlstedt mag sie: „Da gibt es Moor, das lässt Raum für Fantasien“. Meistens schlüpft sie in ein männliches Alter Ego, vieles spielt in England, obwohl sie dort noch nie war, manches scheint wie im Rausch geschrieben, obwohl sie weder trinkt, raucht noch Drogen nimmt. Ihre Droge ist ihre Vorstellungskraft, aus der Fabelwesen entstehen oder der Tod, der ein Soldat ist und wegen einer Verletzung vergessen hat, wer er wirklich ist. Ihr Debüt als Schriftstellerin gibt Nadia Sahlenbeck 2013 in der Anthologie „Vom Tod“, vorgestellt von Deutschlands einzigem Vampirologen Friedhelm Schneidewind. Es folgen „Subtile Horrorgeschichten“, „Tochter des Grim“ als Ebook und „Lady Bellamy“ als Hörbuch, Krimis in der Anthologie „Blütenlesung“. Sie selbst beschreibt sich als Geschichtenträumerin und Alptraumschreiberin. „Ich kann nicht anders“, sagt sie. „Selbst die Märchen, die ich versuche, für meinen Sohn zu schreiben, werden am Ende gruselig.“

Weitere Infos auf www.nadiasahlenbeck.jimdo.com
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