Vom Industriegebiet zum Biotop

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Abseits des Großstadtlärms hat sich zwischen den Straßen Im Soll und Heidstücken ein wertvolles Biotop entwickelt.

Die Kiesgruben des ehemaligen Kalksandsteinwerkes – Gewässerkunde, Teil 3

Von Britta Burmeister
Bramfeld. Links und rechts der Straße Heidstücken findet sich – versteckt hinter hohen Zäunen und dichtem Buschwerk – ein Naturparadies, an dem die Verstädterung Bramfelds ganz offensichtlich vorübergegangen ist. Genau genommen hat das Grundstück, auf dem einst das Kalksandsteinwerk stand, sogar eine gegenteilige Entwicklung genommen. Aus einem Industriegebiet ist – von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt - ein schützenswertes Biotop geworden.
Zeitzeugen erinnern sich bis heute an den markanten Geruch und den grauen Staub, der sich bei ungünstiger Wetterlage über den Stadtteil legte, wenn zwischen Berner Chaussee und Heukoppel die Ziegel gebrannt wurden. Der dafür benötigte Sand wurde bis 1960 direkt vor Ort gewonnen. Die größere der beiden Kiesgruben, die dabei entstanden sind, erstreckt sich über 3,5 Hektar und misst an ihrer tiefsten Stelle 10,5 Meter. Ihre etwas kleinere Schwester bringt es auf drei Hektar und eine maximale Tiefe von etwa acht Metern.
Erinnerungen
Die Erinnerungen an das Fabrikgelände sind im Stadtteil nicht nur negativ. Mit leuchtenden Augen berichten ältere Bramfelder davon, wie sie als Kinder – trotz strengster Verbote – die Sandloren nach Feierabend zweckentfremdeten, um aus 15 Meter Höhe direkt ins kühle Nass der Kiesgruben zu sausen. Heute wird in den beiden Teichen nicht mehr gebadet. Seit 1962 gehören sie zu den Pachtgewässern des Sportanglervereins Hamburger Polizeibeamten e.V. und tragen die schlichten Namen Bramfeld 1 und Bramfeld 2. Zwar wurde zwischen den Straßen Im Soll und Heidstücken eine Wegeverbindung angelegt, die hier und da einen Blick auf das fast türkis anmutende Wasser der größeren Kiesgrube erlaubt, aber was für ein Naturparadies hier im Laufe der Jahrzehnte entstanden ist, erschließt sich erst demjenigen, der die Erlaubnis hat das Privatgelände zu betreten.
Peter Bürger, der zwölf Jahre lang im Vorstand des Sportanglervereins mitgearbeitet hat und heute zu seinen Ehrenmitgliedern zählt, kennt das Gelände wie seine Westentasche. „Geangelt wird hier nur auf eigens dafür vorgesehenen Angelplätzen“, berichtet er. „Der Rest des Geländes gehört der Natur!“
Der rücksichtsvolle Umgang mit dem Gewässer zahlt sich aus: Mehrere Eisvogelpaare haben ihre Bruthöhlen im Uferbereich der beiden Kiesgruben gebaut und im Wasser leben – neben Forelle, Karpfen, Hecht und Zander – auch Teichmuscheln und die seltene Süßwassermeduse. Die Zäune rings um das Gelände wurden nach einem tragischen Unfall auf Drängen der Stadt errichtet, um Kinder vor den Untiefen der steil abfallenden Kiesgruben zu schützen. Heute schützen sie gleichzeitig die beeindruckende Artenvielfalt, die sich hier – abseits des Großstadtlärms – entwickelt hat.
Von Luftverschmutzung kann hier schon lange nicht mehr die Rede sein. Ganz im Gegenteil: Die beiden Kiesgruben – das hat ein Klimagutachten ergeben – haben einen nachweislich positiven Einfluss auf die Luftqualität in Bramfeld.
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