Vorreiter in Europa

Anzeige
Beim Spatenstich (v.l.): Hervé Martin, Vertreter der EU-Kommission, Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau, Michael Beckereit von Hamburg Wasser und Helmut Löwe, BundesbildungsministeriumFotos: rg

Baustart für innovatives Abwassersystem auf Jenfelder Au

Von Rainer Glitz
Jenfeld. Vor 150 Jahren war Hamburg Vorreiter in Sachen Wasserwirtschaft. Nach dem Großen Brand  von 1842 wurde das modernste Be- und Entwässerungssystem auf dem europäischen Festland errichtet. „2013 ist Hamburg wieder Vorreiter“, sagte Helmut Löwe vom Bundesministerium für Bildung und Forschung beim ersten Spatenstich für das neue System „Hamburg Water Cycle“.
Die traditionelle Technik funktioniere gut, aufgrund des Klimawandels und des demografischen Wandels müsse aber an neuen Konzepten gearbeitet und geforscht werden. Rund 200 Millionen Euro Forschungsgelder stellt das Ministerium deshalb zur Verfügung. Für die Begleitforschung in Jenfeld sind es rund vier Millionen Euro. „Die neue Anlage für 2.000 Menschen wird das erste Mal in diesem Maßstab getestet und hat Vorbildcharakter“, lobte Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau. Ganz Europa blicke auf die Jenfelder Au. Das konnte Hervé Martin von der EU-Kommission nur bestätigen.
Hamburg Water Cycle bald auch in Schweden?
Das Interesse für das erste Projekt in dieser Größenordnung sei riesig, eine Kleinstadt in Schweden wolle das Konzept bereits übernehmen. Der französische EU-Vertreter setzte dann auf dem Baugelände den symbolischen ersten Spatenstich, gemeinsam mit Jutta Blankau, Helmut Löwe und Michael Beckereit von Hamburg Wasser. Der erläuterte den zahlreichen Gästen die Vorzüge des Konzeptes Hamburg Water Cycle.
Drei Arten Abwasser werden getrennt gesammelt. Regenwasser wird nicht in die Kanalisation geleitet, sondern versickert und verdunstet auf den Grünflächen der Jenfelder Au. Das sogenannte Grauwasser, das durch Waschen und Duschen entsteht, wird gereinigt und in die Rahlau geleitet.
Das Schwarzwasser aus den Toiletten wird mit Unterdruck fast unverdünnt abgesaugt. „Das funktioniert wie im ICE oder im Flugzeug“, so Beckereit. Das Schwarzwasser produziert dann in einem Faulbehälter Methangas, aus dem in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme erzeugt wird. „Wir sparen uns nicht nur die Reinigung des Abwassers, sondern haben sogar noch einen Energieüberschuss“, erklärte der Geschäftsführer von Hamburg Wasser.
Für zwölf Millionen Euro
Die Hälfte der rund 600 Wohnungen soll so mit Strom, 40 Prozent mit Wärme versorgt werden. Rund 12 Millionen Euro werden in Jenfeld investiert. Bis Dezember 2014 sollen jeweils etwa fünf Kilometer Leitungen für Grau- und Schwarzwasser verlegt sein. Ende 2015 soll die Schwarzwasser-Behandlungsanlage fertig sein. Ab 2017 ist die Grauwasseranlage in Betrieb, so die Planung.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige