„Wahlkampf“ in Berne

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Bedrohte Idylle: die nicht unter Denkmalschutz stehende „Insel“ der Gartenstadt hat 34 Wohneinheiten Foto: tel
 
Versteht sich als guter Kaufmann: Genossenschafts-Vorstand und Geschäftsführer Sönke Witt Foto: wb

Erhalt oder Abriss? Mitglieder der Gartenstadt streiten um Mehrheiten

Von Michael Hertel
Farmsen-Berne
Bei der Wohnungsgenossenschaft „Gartenstadt Hamburg eG“ herrscht nervöse Wahlkampfstimmung: Für Mitte April sind Neuwahlen der Vertreterversammlung, dem satzungsmäßig höchsten Gremium der Genossenschaft, angesetzt. Die 4.041 stimmberechtigten Mitglieder sollen 84 Vertreter und 29 Ersatzvertreter wählen. Das Ganze findet vor dem Hintergrund einer Grundsatzentscheidung um die Berner Gartenstadt-Siedlung statt: Hat der nicht unter Denkmalschutz stehende Teil der Siedlung zwischen Berner Heerweg und Meiendorfer Stieg eine Zukunft oder droht den Häusern mittelfristig der Abriss? Zwei Gruppierungen kämpfen um die Macht in der 1919 gegründeten Genossenschaft: Die eine hält es mit Vorstand und Aufsichtsrat, die die „Dreiecksfläche“ - wie es heißt - weiterentwickeln möchte. Bei der Opposition, die eine eigene Internetseite betreibt und ein Infoblatt herausgibt, firmiert die umstrittene Fläche unter dem Begriff „die Insel“. Kritisiert wird, dass die dort vorhandenen 34 Wohneinheiten bei der Unterschutzstellung 2013 außen vor blieben. Man fürchtet einen baldigen Abriss (sieben Wohneinheiten stehen zum Teil schon jahrelang leer) mit nachfolgendem Neubau und Verdichtung - das sei der Anfang vom Ende des Gartenstadt-Charakters. Dagegen spricht Geschäftsführer Sönke Witt für die Weiterentwicklung: „Die reine Sanierung der alten Häuser kostet laut Gutachten um die 2.000 Euro pro Quadratmeter. Für wenig mehr - etwa 2.200 Euro pro Quadratmeter - bekommt man ein neues, modernes und energieeffizientes Haus inklusive Küche, Bad und Heizung. Da muss ich als Vorstand doch wie ein guter Kaufmann herangehen.“ Oppositionelle nennen ganz andere Zahlen - zwischen 900 und 1.400 Euro pro Quadratmeter reichten für die Sanierung aus. Vertreter Stefan Rätsch (64) fordert einen Kompromiss zwischen beiden Seiten: Er möchte zunächst das eine vollständig leer stehende Haus auf der Dreiecksfläche/Insel als „Pilotprojekt“ sanieren lassen, um entsprechende Erfahrungen zu sammeln.

Abriss wegen Hausschwammbefalll?


Inzwischen droht am Rooksbarg sogar der Abriss eines unter Denkmalschutz stehenden Hauses wegen Hausschwammbefalls. Sönke Witt sagt: „Dieses Haus ist nicht mehr wirtschaftlich zu sanieren. Wenn der Denkmalschutz es erhalten will, soll er einen Zuschuss geben.“ Witt rechne die Gartenstadt arm, behaupten seine Gegner. In Wahrheit erwirtschafte sie einen enormen Überschuss. Der lag, so die Opposition, in den letzten sieben Jahren regelmäßig zwischen 780.000 und 2,5 Millionen Euro. Ein erklecklicher Teil davon - mindestens 2,8 Millionen Euro - sei aber in die rund sechsjährige Sanierung des „Berner Schlosses“ geflossen, in dem die Genossenschaftsverwaltung residiert. Dazu Witt: „Die Zahl 2,8 Millionen Euro ist deutlich zu hoch. Die Kosten werden bei rund 1,8 Mllionen Euro liegen.“ Dass sich an der Geschäftspolitik der Genossenschaft durch die Vertreterwahl etwas ändert, glaubt man bei der Opposition nicht mehr. Ein Genossenschaftler: „Im Wahlvorstand sitzt nicht einer von uns. Und ob die neu gewählten Vertreter überhaupt in Sachen Dreiecksfläche/Insel mitreden dürfen, ist juristisch umstritten.“
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