Wandsbek-Delegation bei den UN

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Anna Häfner (von links), Johanna Rath und Cheyenne Cygan bereiten sich auf die UN-Verhandlungen vor Foto: mdt
 
Hansjörg Dröge, Lehrer am CPG, begleitet die Gruppe nach New York Foto: mdt

Charlotte-Paulsen-Gymnasium schickt sechs Schüler als Jugenddiplomaten nach New York

Von Marco Dittmer
Wandsbek
Diplomaten sind zur Zeit gefragte Leute. Ukraine-Krise, Ebola-Epidemie oder die Wahlen in Griechenland vom vergangenen Sonntag sind nur einige Beispiele, bei denen es vor allem auf die Zwischenhändler der Regierungen ankommt. Sie vermitteln noch, wenn Verhandlung zu scheitern drohen – sie finden Kompromisse, wo es auf den ersten Blick nur Gegensätze gibt. Die Lorbeeren ihrer Arbeit heimsen meist Minister und Präsidenten ein.
Sechs Wandsbeker Schüler wagen sich ab Februar direkt in das Epizentrum der Weltpolitik, zu den Vereinten Nationen in New York. Dort, wo sonst Resolutionen zum Klimawandel beschlossen oder Sanktionen gegen Staaten verhängt werden, sollen die Schüler des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums (CPG) mit rund 3.000 Highschool-Schülern aus den USA über Menschenrechte, Flüchtlinge oder die Weltwirtschaft diskutieren. Schon allein das sollte für Elftklässler eine Herausforderung sein, doch es gibt noch einen Haken. Denn sobald die Wandsbeker Abiturienten einen Fuß in das UN-Gebäude setzen, sind sie Diplomaten aus Estland.
Die Planspiele der Vereinten Nationen haben eine lange Tradition. Die erste sogenannte Model-UN von Schülern wurde 1974 abgehalten. An den Treffen nehmen größtenteils amerikanische Schüler teil, es gibt aber auch Plätze für ausländische Gäste. Die Teilnehmer schlüpfen in die Rolle eines Diplomaten eines UN-Mitgliedstaats. In den Komitees vertreten sie dann die Position „ihres“ Landes. Dabei versuchen die Delegierten, Mehrheiten für ihre Resolutionen zu finden oder Kompromisse mit anderen Staaten auszuhandeln. Ziel ist es, die eigenen Standpunkte in Resolutionen durchzusetzen und der Generalversammlung vorzulegen.

Ebola-Krise ist Thema


„Ich bin vor allem auf die Zusammentreffen von realen Konflikt-Parteien gespannt“, sagt Anna Häfner. Die 17-Jährige ist im Komitee der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Kernthema der WHO ist die tödliche Ebola-Epidemie in Westafrika. Wie ist denn die estnische Position dazu? „Estland bildet Hilfspersonal aus, das in den Krisengebieten gegen den Virus kämpft. In Zukunft will Estland auch Infizierte aufnehmen und behandeln“, so Häfner. Für ihre Recherchen steht die Schülerin in Kontakt mit dem estnischen Gesundheitsministerium.
Bei dem dreitägigen Projekt geht es zwar darum, Konflikte untereinander beizulegen und Kompromisse zu verabschieden, hitzige Diskussionen um aktuelle Krisengebiete wie die Ukraine wird es aber weniger geben. „Die Schüler vertreten zwar alle möglichen Länder. Wenn die Komitees beginnen, spielen die persönlichen Ansichten aber schnell eine größere Rolle“, sagt Hansjörg Dröge, Lehrer und Projektleiter der CPG-Gruppe. Viel wichtiger ist auch die Entwicklung der Schüler während der Reise. „Die Teilnehmer machen einen enormen Sprung. Sie halten vor bis zu 400 Menschen einen Vortrag auf Englisch. Das ist eine starke Erfahrung und wichtig für das Selbstbewusstsein“, so Dröge weiter. Zum Sprung über den Atlantik setzt die Gruppe bereits Mitte Februar an. In New York angekommen haben sie noch sieben Tage Zeit, um sich an die Umgebung zu gewöhnen. Höhepunkt ist die Schüler-UN-Vollversammlung am letzten Tag. Sie findet im UNO-Hauptquartier statt. Dem Ort an dem 1960 Nikita Chruschtschow, damals sowjetischer Staatschef, bei einem Wutanfall mit seinem Schuh auf den Tisch hämmerte oder Libyens getöteter Ex-Diktator Muammar al-Gaddafi 2012 vor aller Welt die UN-Charta zerriss. Die Wandsbeker Delegation hofft jedenfalls auf versöhnlichere Gespräche.
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