Wandsbek-Gartenstadt: Anwohner in Sorge ums Quartier

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Hier soll ein Block mit neun Wohneinheiten entstehen Foto: rg

Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek plant großen Wohnblock. Alt-Anwohner befürchten Verlust von Lebensqualität

Von Rainer Glitz
Wandsbek-Gartenstadt
Kleine Einfamilienhäuser prägen das Bild auf der einen Seite der Rosmarinstraße, rotgeklinkerte Reihenhäuser das auf der anderen. Hier entstand in den 1920er-Jahren eine ganze Siedlung für Arbeiter. „Das ist hier wie ein Dorf, eine andere Welt“, schwärmt Hans-Jürgen Kissner, Mieter im Begonienweg. Er wohnt seit Jahren in einem der alten Reihenhäuser der Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek. Hinter dem Haus ein kleiner Garten, den der Lungenkranke nicht missen möchte. Doch von seinem Schlafzimmer aus blickt Kissner auf ein großes, gerodetes und eingezäuntes Baugrundstück. Hier plant die WHW einen Block mit neun Wohneinheiten, soviel konnten die Anwohner herausfinden. Und Kissner würde dann auf eine knapp 12 Meter hohe Wand gucken. „Es wären nur 10,5 Meter von Wand zu Wand, eine heftige Verdunklung“, sagt Nachbar Martin Goulding.

Teure Edel-Wohnungen

Und es seien keine Sozialwohnungen, sondern edle und teure Wohnungen geplant. „Infos von der Genossenschaft bekommen wir aber nicht, das ist Absicht“, meint Goulding. Fest steht aber: Die Gärten von sechs Anwohnern werden kleiner, die entsprechenden Kündigungen der teils Jahrzehnte alten Mietverträge laufen bereits. „Ich hatte gedacht, hier würde ich alt werden. Das ist ein widerlicher Schlag“, erbost sich Hans-Jürgen Kissner. „Die Lebensqualität wird so eingeschränkt“, ergänzt Karsten Reimer, ein weiterer Nachbar. In der Gartenstadt gebe es viel Grün, besonders schön sei es hier im Quartier im Sommer. „Wir haben ja grundsätzlich gar nichts gegen Veränderungen aber bitte mit Augenmaß“, fordert Karsten Reimer.

Angst um Quartier-Charakter

Es entstehe ein 28 Meter langer Block, ohne Tiefgarage. Damit würden die ohnehin schon engen Nebenstraßen weiter zugeparkt. Mit einer Fahrradstellfläche und einem Spielplatz würde mehr Fläche versiegelt, kritisieren die Anwohner. Und das Projekt in der Rosmarinstraße könnte erst der Anfang für weitere Abrisse und Neubauten sein, fürchten sie. Charakter und Struktur des alten Quartiers könnten so verloren gehen. Erste Anzeichen sehen sie in leerstehenden Wohnungen und bereits gefällten Bäumen. „Die Leute hier müssen mit ins Boot genommen werden, so geht das nicht“, sagt Karsten Reimer. Er und die anderen Nachbarn treffen sich regelmäßig, um Informationen auszutauschen. Sie fordern Alternativen, etwa weniger und kleinere neugebaute Wohnungen.
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