„Wandsbek ist dran“

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Rund 300 Anwohner der Litzowstraße kamen in den Bürgersaal in Wandsbek. Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff und Vertreter der Sozialbehörde stellten sich den Fragen Foto: mt
 
Alexander Weil vom Kulturschloss Wandsbek bietet der Sozialbehörde Hilfe für die Flüchtlinge in der Litzowstraße an Foto: mt

Bezirksamtsleiter verteidigt neue Flüchtlingsunterkünfte im Bezirk

Von Marco Thielcke
Hamburg. Das Thema Flüchtlinge bewegt in Wandsbek immer mehr Menschen. Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff (SPD) verteidigte jetzt auf einer Informationsveranstaltung die Flüchtlingspolitik des Bezirkes.
Der Bezirksamtsleiter stellte klar, in welcher Lage sich der Bezirk befindet: „In der Vergangenheit hat Wandsbek nicht soviel Flüchtlinge aufgenommen, wie andere Bezirke. Jetzt müssen wir liefern.“ Laut Sozialbehörde leben in Wandsbek auf 1000 Einwohner 5,49 Flüchtlinge. Nur im Bezirk Harburg gibt es demnach weniger Asylbewerber pro Einwohner. Auf der Veranstaltung kündigten Ritzenhoff und Vertreter der Sozialbehörde weitere Unterkünfte am Volksdorfer Grenzweg, Rahlstedter Straße und Bahngärten an. Ein weiterer Standort an der Stephanstraße 15 befindet sich noch in der Prüfung. Die Plätze werden dringend benötigt: Für Dezember hat die Sozialbehörde noch 574 fehlende Plätze gemeldet. Erste Hochrechnungen der Behörde für 2014 gehen sogar von über 2000 fehlenden Betten aus.
Anwohner meldeten sich zu Wort
Auf der Informationsveranstaltung im Bürgersaal waren fast alle Plätze besetzt. Rund 300 Anwohner der Litzowstraße waren der Einladung der SPD für Anwohner der Litzowstraße gefolgt. Auf dem verlassenen Sportplatz neben dem Hamburger Staatsarchiv sollen bis zum 20. Dezember 60 Wohncontainer für 110 Flüchtlinge aufgestellt werden. Einige der Anwohner haben Vorbehalte. Sie erinnern sich noch an die Tage, als in der Kattunbleiche, gegenüber des Staatsarchivs in Wandsbek, Asylbewerber lebten. Vor 25 Jahren machte die Unterkunft Schlagzeilen, weil Flüchtlinge mit Drogen dealten. Anwohner fühlten sich damals unsicher und von Politik und Polizei
alleingelassen. Während der Fragestunde im Bürgersaal Wandsbek meldeten sich viele Anwohner zu Wort. Die Fragen waren breitgefächert.
Manche befürchten slumartige Zustände, ein Wohnungseigentümer macht sich Gedanken um den Wert seiner Wohnungen. „Wie sorgen Sie für unsere Sicherheit?“, fragte eine Anwohnerin den Bezirksamtsleiter. Ritzenhoff versucht zu beruhigen: „Die Menschen sind keine Bedrohung. Es sind Vertriebene, die meist sehr verunsichert zu uns kommen“.
Im Saal wurden aber auch Stimmen laut, die Hilfe anbieten. Alexander Weil, im Vorstand des Kulturschloss Wandsbek, bietet Räume und die Hilfe der ehrenamtlichen Mitarbeiter an, um das Leben der Flüchtlinge in Wandsbek zu verbessern.
Uwe Holtermann von „fördern und wohnen“, dem städtischen Unternehmen, das die Unterkünfte für Flüchtlinge und Obdachlose leitet, verwies auf die guten Erfahrungen, die man beispielsweise in der Asylbewerberunterkunft an der August-Krogmann-Straße in Farmsen macht. Dort leben seit Juli 346 Flüchtlinge aus 27 Nationen, laut „fördern und wohnen“ ohne Konflikte zusammen. „Wir werden die Zahl der Sozialarbeiter in den Unterkünften erhöhen“, versicherte Holtermann den Anwohnern zudem. In Zukunft soll ein Sozialarbeiter 80 Bewohner betreuen. Bisher lag der Schlüssel bei 1 zu 97. Holtermann sagt aber auch: „Es wird das eine oder andere Problem geben. Aber wir haben eine Hausordnung und arbeiten mit der Polizei zusammen. Außerdem sind Mitarbeiter vor Ort auch für die Anwohner ansprechbar.“ Die Wohncontainer in der Litzowstraße werden für fünf Jahre aufgestellt. Da das Gelände der Kulturbehörde gehört, könnten die Unterkünfte in fünf Jahren einem Neubau für das Hamburger Staatsarchiv weichen. Solange es dafür aber keine Pläne gibt, wäre auch eine Verlängerung der öffentlichen Unterbringung denkbar. (mt)
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