Wandsbek will den „Schwarzen Baron“ ehren

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Peter Closius fertigte dieses Gemälde 1982 von Achim-Helge von Beust an. Es hängt im Bezirksamt Wandsbek Foto: Dittmer
 
Dieses Foto hängt in der Bildergalerie der ehemaligen Bezirksamtsleiter Foto: Dittmer

Nach Achim-Helge von Beust soll eine Straße vor dem Bezirksamt benannt werden

Von Martin Jenssen
Wandsbek
1954 wurde Achim-Helge von Beust zum Bezirksamtsleiter in Wandsbek berufen. Er führte den größten Hamburger Bezirk bis 1980. „In diesem Amt“, so schrieb die Tageszeitung „Welt“ über ihn, „wurde er zu einer Institution“. Als „Wandsbeker Bürgermeister“ fand er immer den rechten Ton und war offen für alle Argumente. Durch seine direkte Ansprache konnte er sich aber in seinem Amt auch konsequent durchsetzen, wenn es sein musste. Er hat in den 26 Jahren seiner Amtszeit viel für Wandsbek getan. Und deswegen soll jetzt die Straße „Am Alten Posthaus“, direkt neben dem Bezirksamt gelegen, in „Achim-Helge von Beust Straße“ umbenannt werden. So lautet ein Antrag der Liberalen Fraktionsgemeinschaft, über den morgen in der Bezirksversammlung entschieden werden soll. (Donnerstag, 28. Januar, 18 Uhr, Bürgersaal Wandsbek, Am Alten Posthaus 4). Achim-Helge von Beust war Mitglied in der Hamburger CDU. In der von der SPD regierten Hansestadt wurde er als der „Schwarze Baron von Wandsbek“ bekannt, leitete er doch das einzige CDU-geführte Bezirksamt. Über die Parteigrenzen hinaus wurde er bekannt für seine Liberalität.

Unter seiner Ägide entstand das „Quarree“


In dem nach dem Zweiten Weltkrieg schrecklich zerbombten Bezirk Wandsbek sorgte Achim-Helge von Beust dafür, dass Hamburg eine zweite „City“ bekam. Er setzte sich mit aller Kraft dafür ein, dass das Einkaufszentrum „Quarree“ im Herzen von Wandsbek entstand. Unter seine Ägide fiel auch der Bau des Alstertal-Einkaufzentrums (AEZ) in Poppenbüttel sowie die erste Umgestaltung des Wandsbeker Markts. „Ich habe immer sein diplomatisches Geschick bewundert“, sagt Hans-Richard Daniel, Mitglied der FDP und ehemaliger Leiter des Einwohneramtes. Er erinnert sich an den Protest der Einzelhändler, die den Bau des „Quarrees“ verhindern wollten. Achim-Helge von Beust lud die Einzelhändler zu Einzelgesprächen ins Wandsbeker „Rathaus“ ein. In ruhigen Unterhaltungen konnte er sie am Ende alle überzeugen – und alle profitierten. Als Sohn eines Juristen wurde Achim-Helge von Beust 1917 in Lübeck geboren. Nachdem die Familie 1935 nach Hamburg gezogen war, legte er das Abitur am Matthias-Claudius-Gymnasium ab. 1938 trat er in ein Kavallerieregiment ein, wurde aber krankheitsbedingt aus dem Dienst entlassen. Als junger Rechtsreferendar gehörte er 1945/46 zu den 29 „Gründungsvätern“ der Hamburger CDU. Von Beust erklärte später: „Gute Freunde wie Conrad Ahlers haben mich überredet, der CDU beizutreten. Hätte ich Helmut Schmidt damals schon gekannt, wäre ich vielleicht in der SPD gelandet.“ Der jüngste seiner drei Söhne, Ole von Beust, war von 2001 bis 2010 Hamburgs Erster Bürgermeister. Im August 2003, nach dem Erpressungsversuch des damaligen Innensenators Ronald B. Schill, „outete“ Achim-Helge von Beust die Homosexualität seines Sohnes in einem Gespräch mit der „Welt am Sonntag“ – ohne dass sein Sohn davon wusste. Er leistete seinem Sohn damit enorme Hilfe, denn während Ole von Beust an Popularität gewann, verschwand Schill von der politischen Bühne. Am 12. Mai 2006 wurde Achim-Helge von Beust anlässlich des 60. Jahrestages der Gründung der Hamburger CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel geehrt. Er starb am 7. Januar 2007.
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