Wandsbeker Trauerspiele

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Der Friedhof an der Königsreihe Foto: H. Barth/wb
 
Die Grabstätten von Matthias Claudius (r.) und seiner Frau Rebecca sind stark renovierungsbedürftig Foto: Je

Historische Friedhöfe sind „Kulturdenkmal 2015“. Genehmigungen zur Sanierung fehlen

Von Martin Jenssen
Hamburg. Es sind Orte der Erinnerung, der Besinnung, der Trauer und der Hoffnung – manchmal sind es auch „Trauerspiele“: Hamburgs historische Friedhöfe. Damit bundesweit auf diese Gedenkstätten aufmerksam gemacht und für ihren Erhalt geworben wird, sind die historischen Friedhöfe zum „Kulturdenkmal des Jahres 2015“ auserkoren worden. Aus diesem Anlass hat der Denkmalverein Hamburg eine Broschüre herausgebracht, die auf die denkmalgeschützten Friedhöfe in Hamburg verweist.
Darunter sind der Wandsbeker Friedhof von 1623 und der jüdische Friedhof an der Königsreihe. Wandsbek wichtigster Friedhof ist der im Park der Christuskirche. „Die Gräber rund um das Schimmelmann-Mausoleum und das Grab von Matthias Claudius harren noch der Pflege und Restaurierung“, heißt es kritisch in der Broschüre des Denkmalvereins.
Das ist milde ausgedrückt. Die Gräber sind von Gebüsch und Unkraut überwuchert, viele Grabsteine in einem bedauernswerten Zustand. Ein schnelles Eingreifen ist notwendig, denn 2015 steht in Wandsbek auch das Claudius-Gedenkjahr an. Gefeiert werden der 200. Todestag und der 275. Geburtstag des berühmten Dichters. Viele Verehrer des „Wandsbecker Boten“ werden aus ganz Deutschland anreisen, um seine Grabstätte zu besichtigen.

Paten für alte Gräber gesucht

Wandsbeks Bürger bemühen sich schon seit mehreren Jahren um eine Restaurierung des Friedhofs. Die Initiative „Historischer Friedhof 2015“, ins Leben gerufen von Pastor Richard Hölck und dem Historiker Michael Pommerening, hat bereits eine beachtliche Summe an Spenden für die Rettung des Friedhofs gesammelt. Außerdem sollen Paten gefunden werden, die sich nach der Restaurierung um die Gräber der Verstorbenen kümmern.
Bisher aber hat das Denkmalschutzamt noch keine Zustimmung für die Verschönerungsarbeiten gegeben. Sobald die erfolgt will die Initiative mit den Arbeiten beginnen, sodass der Friedhof nicht nur als dornröschenhaftes Kulturdenkmal - sondern auch als ein echtes Wandsbeker Schmuckstück wahrgenommen wird.
Zu den „Kulturdenkmälern 2015“ in Wandsbek gehören auch der jüdische Friedhof an der Königsreihe sowie der jüdische Friedhof an der Jenfelder Straße. Der Friedhof an der Königsreihe wurde 1634 eingerichtet. Insgesamt wurden rund 1.200 Gräber angelegt. 1886 wurde er geschlossen.

Gräber unter alter Lagerhalle?

Der Friedhof, 1938 von der Nazis geschändet, ist heute nicht öffentlich begehbar aber von der Straße aus gut einzusehen. Ein Jahr nach der Schließung des Friedhofs an der Königsreihe eröffnete die jüdische Gemeinde den Friedhof an der Jenfelder Straße. Ein kleiner Teil davon ist erhalten. Während der Nazi-Diktatur wurde auch dieser Friedhof geschändet. Auf einem Teil der Anlage wurde eine Lagerhalle für Kartoffeln gebaut. Vermutet wird, dass sich unter der Kartoffelhalle noch jüdische Gräber befinden. Da sich die marode Halle in Privatbesitz befindet, konnte der historische Friedhof bisher nicht erweitert werden.
Viele der engagierten Friedhofsretter hoffen, dass im Denkmaljahr 2015 eine Möglichkeit gefunden wird, der jüdischen Gemeinde das Grundstück zurückzugeben.
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