Warten auf ein Wunder

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Dunkle Schatten auf der Thomaskirche: Pastor Jan Bollmann gibt sich kämpferisch Foto: tel

Thomaskirche vor Schließung. Was der Pastor sagt

Von Michael Hertel
Bramfeld
Seit kurzem läuten jeden Sonntag um 18 Uhr für fünf Minuten die Glocken der Thomaskirche in Bramfeld-Hellbrook. „Es soll die Menschen einen Moment zum Innehalten und Beten bewegen und unser Gottvertrauen stärken“, erklärt Gemeindepastor Jan Bollmann (41). Letzteres hat die Gemeinde (rund 2.500 Mitglieder) dieser Tage nötig, denn es steht schlecht um das eigene Gotteshaus: Die Gemeinde soll, wie berichtet, künftig auf Unterhaltungszuschüsse aus Sondermitteln des Kirchenkreises für ihre Gebäude verzichten. Das jedenfalls hat eine Arbeitsgruppe des Kirchenkreises Hamburg-Ost vorgeschlagen.
Auf mittlere Sicht droht der 1956 erbauten Kirche Schließung, Verkauf oder gar der Abriss. Kampflos jedoch wollen Pastor Jan Bollmann (41) und sein Gemeinderat nicht aufgeben: „Ich gehe fest davon aus, dass der Gemeindestandort erhalten bleibt.“ Fragt sich nur, ob mit oder ohne Gotteshaus?

Ghanaer zu Gast


Das 50 Jahre alte markante Backsteingebäude mit Flachdach und dem separaten kupferbeschlagenen Glockenturm bietet Platz für rund 300 Menschen. Die kommen auch, wenn sonntags die Presbyterian Church of Ghana Hamburg als Mieter zum Gottesdienst ruft. Bei den Lutheranern selbst sind es dagegen „so um die 30 Menschen“, räumt Bollmann ein. Dabei hat sich der Mitgliederbestand in der Gemeinde stabilisiert.
Im gesamten Kreis (116 Gemeinden) ist die Zahl der Gläubigen in den letzten 20 Jahren aber um fast 30 Prozent auf nunmehr 442.000 Personen geschrumpft. Daraufhin wurden zahlreiche Stellen gestrichen. Als nächstes wird bei den Gebäuden gespart. Die Gemeinden sind nach Größen in A-, B- und C-Gemeinden kategorisiert. Die Gebäude von C-Gemeinden (wie die in Hellbrook) werden finanziell nicht mehr unterstützt, man soll sich zu möglichst größeren „Gemeindezentren“ zusammenschließen. „Wir finden es unfair, dass die großen Gemeinden belohnt und die kleinen, die schon wenig haben, noch bestraft werden sollen“, kritisiert Bernd Ockert (64), im Gemeinderat zuständig für die Finanzen. Neben Hellbrook sind 54 weitere Standorte im Kirchenkreis betroffen, doch der Kreis rückt die Liste nicht raus – Sprecher Wolfgang Främke: „Das ist eine interne Liste, die noch diskutiert wird.“
In Hellbrook weiß man schon Bescheid: Eine Grundsanierung der Thomaskirche würde laut Ockert „mindestens 100.000 Euro“ verschlingen. Zusätzlich zur bestehenden Stiftung soll nun ein Freundeskreis gegründet werden. Im Winterhalbjahr zieht man von der Kirche in den Gemeindesaal, um Heizkosten zu sparen. Außerdem will man die eigenen Räumlichkeiten verstärkt vermieten. Reichen wird das auf lange Sicht kaum. Das Erntedankfest am vergangenen Sonntag war somit ein Abschied von der eigenen Kirche bis Weihnachten. „In der Gemeinde macht sich Trotz breit – jetzt erst recht“, berichtet Ockert. Doch auf Dauer hilft wohl nur ein kleines Wunder.
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