Warum in Rahlstedt „entkusselt“ wird

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Während einer Trockenphase ist der Wasserstand im Wandse-Rückhaltebecken gesunken und gibt den Graugänsen im Hintergrund die Möglichkeit, sich dort aufzuhalten. Foto: Horst Kistenmacher
 
Sie sind ehrenamtlich für den Naturschutz im Einsatz: Ulrike Runge und Horst Kistenmacher. Foto: Christa Möller

Die Nabu-Stadtteilgruppe hat sich die Liebe zum Grün zur Aufgabe gemacht

Von Christa Möller
Rahlstedt. Es gibt Menschen, die spielen in ihrer Freizeit Golf, hegen ihren Garten oder beschäftigen sich anderweitig sportlich oder kreativ. Ulrike Runges Interesse gilt schon seit Jahrzehnten dem Naturschutz. 1982 hat sie die Stadtteilgruppe Rahlstedt des Naturschutzbundes mitgegründet, deren Vorsitzende sie lange Zeit war. Auch weitere Gründungsmitglieder gehören heute noch der Stadtteilgruppe an. Den Vorsitz hat inzwischen Horst Kistenmacher übernommen.

Viele Einsatzmöglichkeiten

„Wir sind heute etwa 30 Mitglieder“, sagen die beiden, die sich freuen, dass viele Aktive darunter sind, die sich besondere Kenntnisse angeeignet haben. „Jeder bringt ein, was er kann“, erläutert Ulrike Runge. Es gilt beispielsweise, Vorträge zu halten oder in den Naturschutzgebieten Stellmoorer Tunneltal und Höltigbaum zu arbeiten, die wertvollen Lebensraum für heimische Tiere und Pflanzen bieten, außerdem gibt es die „Was singt denn da“-Termine, Insekten- und Pflanzenführungen. „Aber wir brauchen auch Leute, die Kontakte zu Behörden und Politikern haben.“
Regelmäßig muss im Naturschutzgebiet „entkusselt“ werden, das heißt, kleine Bäume müssen entnommen werden, um die offene Trockenrasenlandschaft zu erhalten. Das ist allerdings aufgrund des Vogelschutzes nur zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar erlaubt. „Dabei bleiben einige Büsche und Bäume stehen, um den Vögeln Ansitze und Nistmöglichkeiten zu gewähren“, so Insektenspezialist Horst Kistenmacher.

Betreuungsauftrag

Allerlei Vorschriften gilt es zu beachten, wenn Hundehalter, Reiter oder Spaziergänger in den Schutzgebieten unterwegs sind. So muss Fifi an der Leine bleiben, Pilze sammeln oder Angeln ist verboten und die Wege dürfen nicht verlassen werden. „Wir verbarrikadieren auch Wege mit Weißdorn, denn die Tiere stehen dort im Vordergrund“, erklärt Horst Kistenmacher. „Wir sprechen Leute an, die sich nicht an die Regeln halten. Einige sind einsichtig, andere reagieren darauf nicht sehr freundlich.“ Einmal kam die Vogelkundlerin Ulrike Runge vom Vogelkartieren, das Fernglas noch in der Hand, als eine Reiterin sie erblickte und daraufhin flugs vom Pferd aus versuchte, ihren Hund anzuleinen, „ein merkwürdiger Anblick“. Im Rahmen seines Betreuungsauftrages muss der Naturschutzbund die Bevölkerung über naturgerechtes Verhalten aufklären. Er hat auch Mitspracherecht bei Eingriffen in die Natur, die im Bereich von Naturschutzgebieten so naturverträglich wie möglich erfolgen müssen (beispielsweise bezüglich des Ausbaus der S-Bahn-Linie 4). Ulrike Runge weiß: „Man kann nur in Gemeinschaft etwas für die Natur tun.“
An jedem 2. Montag im Monat ab 19 Uhr treffen sich die Mitglieder im Bürgerhaus in Meiendorf an der Saseler Straße 21. Im Sommer sind sie dort allerdings nur kurz, dann geht’s ins Gelände „damit alle das besser kennenlernen, worüber wir im Winter sprechen“, sagt Ulrike Runge, die über den ehrenamtlichen Einsatz Buch führt: „Über 1.000 Stunden haben die Mitglieder insgesamt vergangenes Jahr für den Naturschutzbund gearbeitet.“ Beruflich „vorbelastet“ ist nur einer von ihnen, er arbeitet als Biologe. Ulrike Runge war bis zum Ruhestand Chemielaborantin, Horst Kistenmacher hat als Betriebsleiter bei einem Autohersteller gearbeitet.
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