Weihnachtsmann ist ein Steilshooper

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Hamburgs „wahrer Weihnachtsmann“ kommt aus Steilshoop Foto: Bley

Mit Prinzipien von der Leidenschaft bis zur Profession

Von Michael Hertel
Steilshoop
Der „wahre Weihnachtsmann“ trägt keinen billigen roten Filzmantel und keinen Wattebart aus dem Ein-Euro-Laden, er zieht keine Jogginghose drunter an, trägt – um Himmels Willen – keine Armbanduhr und läuft nicht in Sportschuhen zur Bescherung. Ja, es gibt einen strengen Kodex für Weihnachtsmänner, jedenfalls für „wahre“, erklärt Fleischermeister Andreas Bley (42) aus Steilshoop.
Und er scheint mit diesen Prinzipien einer verbreiteten Gattung anzugehören: „Ich kenne wahre Weihnachtsmänner in Schleswig-Holstein und NRW. Für Hamburg bin ich es“, so hat es der gebürtige Cloppenburger schon mal auf seiner Homepage festgeschrieben. Um die 30 Mal rückt der untersetzte Mann mit „Feinkostgewölbe“ (sein wahres Gewicht will er nicht verraten) und professioneller Ausstattung von der Bartperücke, über die Schellen besetzten Stiefel, bis zum amerikanischen 400-Dollar-Gürtel (extra breit) in der Vorweihnachtszeit aus. Mal als Weihnachtsmann, mal als Nikolaus, um Freude zu verbreiten und strahlende Augen nicht nur in Kindergesichter zu zaubern.
Angst und Schrecken, wie in früheren Generationen üblich, sind seine Sache nicht. Strenger Pädagoge möchte Bley nicht sein. Das hat er seinen Eltern zu verdanken: Als er sechs Jahre alt war, erinnert sich Bley, engagierten seine Eltern Nikolaus und Knecht Ruprecht mit Rute im Doppelpack – „ich habe fürchterlich geweint“. Der Heilige Abend mit zusätzlich mehr als einem Dutzend Auftritten ist dann Stress pur, nur im Pkw mit leuchtendem Rentier Rudi auf dem Autodach zu bewältigen. Da darf dann auch die Lebensgefährtin als „Weihnachtsfrau“ unterstützend eingreifen. Pro Auftritt kassiert er 50 bis 60 Euro, bei Firmen etwas mehr.
Angefangen hat es vor rund zehn Jahren ganz typisch mit der Frage eines Bekannten „Kannst Du nicht mal...?“ Es kam, wie es kommen musste: Aus der Verlegenheit wurde Leidenschaft, aus Leidenschaft Profession – inklusive eines
3. Platzes beim bundesweiten Weihnachtsmann-Wettbewerb 2011 in Essen.
Seitdem hat Bley den Christmas-Kodex verinnerlicht. Hier nur auszugsweise für Neulinge, die ihm nacheifern wollen: nicht rauchen, nicht trinken, nicht mit dem Handy telefonieren, nicht fluchen, alle liebhaben. Allen übrigen wünschen wir schon mal: „Fröhliche Weihnachten!“
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