Wer will Kids-Pate werden?

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Steffi Karsten, (2. v.li.), sagt über Gideon, (li.), und Jessica: „Gefühlt ist das auch meine Familie“. Mutter Monica Serwaa, (re.), freut’s Fotos: Christa Möller
 
Birgit Straßer ist seit Stiftungsgründung Patenschaftshelferin

Steffi Karsten betreut über die Ehlerding-Stiftung zwei Kinder

Von Christa Möller
Tonndorf. Bei Steffi Karsten, 43, ist „Leben in der Bude“: Jessica, 11, und Gideon, 13, sind zu Besuch und haben an diesem Sommernachmittag ausnahmsweise auch ihre Mama Monica Serwaa und die beiden jüngeren Geschwister Davinia, 7, und Lilian, 5, mitgebracht. Im großen Garten der Tonndorferin können sich die Kinder austoben. Normalerweise kommt Patenkind Jessica einmal in der Woche allein mit seinem älteren Bruder hierher. Fünf Stunden nimmt sich Steffi Karsten Zeit für die beiden, zusammen gehen sie in Rahlstedt zum Schwimmen, kaufen anschließend gern gemeinsam ein und kochen dann etwas Leckeres und machen auch noch Hausaufgaben oder backen Kekse. „Die Zeit ist im Nu vorbei“, sagt Steffi Karsten. Beide Kinder haben längst ihren Freischwimmer gemacht und mit ihrer Schwimmbegeisterung inzwischen die ganze Familie angesteckt. Gelegentlich besuchen sie Veranstaltungen der Ehlerding-Stiftung und in den Ferien übernachten die Kinder auch mal bei ihr.
Vor zwei Jahren erfuhr Steffi Karsten von dem Projekt „mitKids Aktivpatenschaften“ der Ehlerding-Stiftung, die ehrenamtliche Paten an Kinder zwischen zwei und neun Jahren aus belasteten Familien im Großraum Hamburg vermittelt. „Wir haben keine Kinder, aber einen Riesengarten, der war ein bisschen leer“, sagt Steffi Karsten. Jessicas Eltern sind beide berufstätig und kümmern sich gemeinsam um ihre Kinder, die übrigens alle in Hamburg geboren sind, aber „es ist nicht immer so wie in dieser Familie“, sagt Birgit Straßer - sie ist als Patenschaftsbegleiterin für die Ehlerding-Stiftung aktiv - mit Blick auf eine Mutter, die mit sechs Kindern allein klarkommen muss, weil der Vater die Familie verlassen hat.
Wie ein große Familie
Inzwischen haben auch Jessicas jüngere Geschwister Davinia, 7, und Lilian, 5, eine Patin, die die Ehlerding-Stiftung vermittelt hat. Mutter Monica Serwaa, die vor 13 Jahren aus Ghana nach Hamburg kam, hatte über eine Bekannte von dem Projekt gehört und sich dafür interessiert. Zur Zeit gibt es 110 aktive Patenschaften, „darunter welche, die schon seit der Gründung 2007 bestehen“, sagt Silke Schwarz, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Die Kinder kommen aus Afrika oder der Türkei, aber auch aus Polen, Deutschland und Russland. Ganz wichtig: „Die Patenschaften sind auf Dauer angelegt.“ Nach einem, drei und fünf Jahren gibt es eine Ehrung nicht nur für die Paten, sondern auch für die Mütter, die ihnen ihre Kinder anvertrauen. „Es war ziemlich gleich klar, das ist was für länger. Gefühlt sind das auch meine Kinder“, sagt Steffi Karsten.
Jessica profitiert vielfältig von ihrer Patentante, die sie gelegentlich auch zu Besuchen bei ihren Eltern in Thüringen mitnimmt. Und Steffi Karstens Ehemann Lorenz ist längst in die Patenschaft involviert, worüber sich besonders Gideon freut, der dann mit ihm schon mal für eine Klassenarbeit übt. „Es ist ein toller Kontakt, der schon die ganze Familie einbezieht“, stellt Lorenz Karsten fest. „Meine Schwiegermutter gibt Jessica Klavierunterricht“, ergänzt Steffi Karsten. Die Elfjährige kann sich freuen: Ihre Leistungen in der Schule haben sich verbessert und sie hat sogar eine Empfehlung fürs Gymnasium bekommen. „Das hat sie ganz allein geschafft“, sagt die stolze Patentante, die
Jessicas Mutter gern zu Elternabenden begleitet und beim Lesen von Elternbriefen oder dem Ausfüllen von Formularen hilft.
Doch das ist eher ein Nebeneffekt, denn die Paten sollen weder Babysitter noch Nachhilfelehrer sein. „Wichtig ist, dass sie den Kindern Selbstvertrauen geben, dann entwickeln sie sich auch schulisch anders“, betont Birgit Straßer. Die Mutter zweier erwachsener Söhne begleitet derzeit 23 Paten und Eltern. Birgit Straßer war bereits an der Gründung der Stiftung mitbeteiligt: „Das ist ein tolles Projekt, man sieht, wie super sich die Kinder entwickeln und auch die Sprache lernen“, stellt sie begeistert fest. „Wir legen großen Wert darauf, dass die Tätigkeit der Paten wertgeschätzt wird, aber andererseits auch auf das Vertrauen der Mütter, die uns ihre Kinder anvertrauen.“ Die Patenschaftsbegleiter besuchen Familien und Paten: „Wir gucken, wer zu wem passen könnte.“ Dabei spielt auch der Wohnort eine Rolle, denn die Kinder sollen in der Lage sein, ihre Paten selbstständig zu besuchen.
Ganz dringend werden besonders für Rahlstedt noch Paten zwischen 18 und 68 Jahren gesucht – gern auch Männer, die einmal wöchentlich mindestens drei Stunden für ein Patenkind Zeit aufwenden wollen. Sie melden sich bei der Ehlerding-Stiftung unter Tel. 41 17 23 12.
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