Wertvoll oder abrissreif?

Anzeige
Der Streit um Erhalt oder Abriss der Josephterrassen geht weiter Foto: rg

Josephterrassen: Bezirkskoalition und Genossenschaft streiten weiter

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Seit Längerem steht in der Josephstraße bereits der Bauzaun. Hier will die Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek von 1897 (WHW) insgesamt 66 Wohnungen nach neuestem Energiestandard errichten, ein Drittel davon Sozialwohnungen. Doch das Projekt stockt. Streitpunkt sind und bleiben die Gründerzeitfassaden im hinteren Bereich.
Die Genossenschaft will den gesamten Komplex abreißen, die rot-grüne Bezirkskoalition die Terrassenhäuser unbedingt für die Nachwelt erhalten.
Bei einem Gespräch zwischen den Kontrahenten wurden die Argumente beider Seiten ausgetauscht, zu einem greifbaren Kompromiss kam es vorerst allerdings nicht. „Der Erhalt der Fassaden geht aus wirtschaftlichen Gründen nicht“, sagte Ralf Niedmers, kaufmännischer Vorstand der Wandsbeker Genossenschaft.

WHW: Nicht unter Denkmalschutz


Die WHW habe aber laut Satzung eine soziale Verantwortung, ihren Mietern günstigen Wohnraum zu bieten. Nach erneuter Akteneinsicht stehe fest: Für die Josephterrassen besteht kein Denkmalschutz. Laut Vorstand sind die mehr als 100 Jahre alten Wohnungen marode. Und mehr noch: Laut Archiv habe es nie ein geschlossenes Vorderhaus gegeben, damit handle es sich gar nicht um klassische Terrassenhäuser. Außerdem habe es zahlreiche Umbauten gegeben. Fazit: Nicht erhaltenswert. „Wir können uns vorstellen, den Anteil an Sozialwohnungen bei dem geplanten Neubau zu erhöhen“, sagt WHW-Vorstand Niedmers. Nach diesem Angebot an die Koalition liege der Ball nun in deren Hälfte.

SPD: Wertvolle Baustruktur erhalten


Doch die Gegenseite bleibt hart. „Die wertvolle Baustruktur in der Josephstraße soll erhalten bleiben“, so Rainer Schünemann, Fachsprecher für Stadtplanung der SPD-Fraktion. Die Koaltion sei natürlich für sozialen Wohnungsbau, hier müsse aber Augenmaß bewiesen und nicht abgerissen werden. Rot-grün hält demnach weiterhin eine städtebauliche Erhaltensverordnung für das Mittel der Wahl.

Nochmal begehen


Schünemann schlägt eine einfache Sanierung der alten Wohnungen vor, eventuell mit anderem Grundriss. Es gebe schließlich viele Singles, die kleine Wohnungen suchten. Ein Kompromiss ist somit nicht in Sicht. SPD und Grüne wollen das Angebot der WHW jedoch annehmen, das Gebäude erneut zu begehen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige