West-östliche Blicke

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Tjorven (v.l.), Joshua und Alistair befassten sich mit Lehrer Dr. Hermann Kaienburg mit dem Projekt „Schau nicht weg“ Fotos: cm

Rahlstedt: Schülerprojekt mit Deutschen, Russen und Tschechen

Von Christa Möller
Rahlstedt Statt im Gymnasium Rahlstedt im Unterricht zu sitzen, arbeiteten Yanna, 17, Jenny, 17, Leon, 15, sowie Tjorven, 15, Alistair, 16, und Joshua, 16 mit Lehrer Dr. Hermann Kaienburg im Laufe dieses Schuljahres des öfteren gemeinsam mit jungen Tschechen und Russen am Projekt „Schau nicht weg! Deutsche, tschechische und russische Jugendliche auf den Spuren der Diskriminierung damals und heute“, das unter anderem von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ gefördert wurde. Eine Schule im tschechischen Usti-nad-Labem (ehemals Aussig) hatte noch Partner dafür gesucht, die Rahlstedter meldeten sich und so kam die Zusammenarbeit in Schwung.

Drei-Länder-Projekt

Alle Gymnasiasten machten in ihren Ländern Umfragen zum Thema und führten Zeitzeugen-Interviews. „Wir haben 230 Leute aller Altersklassen auch im Rahlstedt-Center befragt und das dann ausgewertet“, erzählen die Rahlstedter. Im Laufe des Projektjahres trafen sich die Schüler im Oktober vergangenen Jahres in Novosibirsk, im März in Hamburg und im Mai in Usti-nad-Labem. Sie erstellten die Internetseite www.schau-nicht-weg.info, gestalteten Plakate gegen Diskriminierung und gestalteten eine 77-seitige dreisprachige Broschüre in einer Auflage von 300 Stück, die unter anderem an die Eltern verteilt werden soll. Wie steht es so schön im Vorwort des tchechischen Projektkoordinators Radek Rybár: „…denn es ist ein Wahrzeichen einer entwickelten Demokratie, dass die Mehrheit ihre Minderheiten schützt.“
Die Schüler des 10. und 11. Jahrganges, insgesamt waren etwa vierzig Schüler beteiligt, wollen, „dass über das Thema Diskriminierung gesprochen wird, dass Leute sich mit dem Thema beschäftigen.“ Denn Diskriminierung gibt es überall, aber, siehe Vorwort: „…wir alle können in unserem alltäglichen Leben viel tun – wenn wir nicht rücksichtslos werden und die Gewalt, Unterdrückung und Misshandlungen in unserer Umgebung nicht tolerieren…“ Themen der Schüler waren unter anderem Ausländer und Rentner. Die beste Lebensqualität für Menschen ab 60 gebe es in den nordischen Staaten, Russland liege auf Platz 87 und biete ihnen ein Lebensniveau, das oftmals unter dem von Kinderarmut liege, so ist es in der Broschüre nachzulesen. Die Schüler informierten sich auch über die Vertreibung der ehemals deutschen Bevölkerung in Usti-nad-Labem und besuchten Theresienstadt, hatten auf den Reisen neben der Projektarbeit allerdings auch Gelegenheit zum Sightseeing, beispielsweise in Prag.
Tjorven befasste sich intensiv mit den Sinti und Roma, die laut Umfrage von 139 Befragten in Rahlstedt als diskriminiert betrachten werden und somit an erster Stelle dort stehen, gefolgt von Sozialhilfeempfängern und Homosexuellen, die von 107 Personen als diskriminiert betrachtet werden, während 110 der Befragten das nicht so empfinden. In Tschechien ist die Homosexualität mit der Heterosexualität gleichgestellt, während dies in Russland zwar nicht untersagt, aber ein Tabu-Thema ist.

Kontakt gehalten

Alistair und Joshua sagen zum Projekt: „Es hat sich besser entwickelt, als wir uns das vorgestellt haben. Wir konnten vergleichen, wie das in anderen Ländern ist – mit Russen in Sibirien kommt man ja sonst gar nicht in Kontakt.
„Das Lebensniveau ist sehr viel einfacher, aber trotzdem waren die Leute ganz zufrieden“, haben alle drei festgestellt. „Und die Reisen werden wir nicht vergessen.“ Sie haben auch jetzt noch Kontakt zu ihren jeweiligen Gastschülern, und die 15-jährige Tjorven fährt sogar schon im Sommer wieder zu ihrer Gastfamilie nach Tschechien.
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