Willi Kastenbein feiert 100. Geburtstag in Farmsen

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Martina Buhr ist stolz auf ihren Opa mit Cowboyhut: Willi Kastenbein feierte jetzt seinen 100. Geburtstag Foto: nik
 
Ein Leben voller Liebe: Das Foto zeigt Willi Kastenbein (100) und seine Frau Erika (96) in jungen Jahren. Das Paar lebte gemeinsam 55 Jahre lang in Harburg Foto: nik

Mit seiner Familie und seinem Cowboyhut begeht er den Festtag in Hamburg

Von Nicole Kuchenbecker
Farmsen
Willi Kastenbein feiert einen Geburtstag, der etwas ganz Besonderes ist. Der Wahl-Farmsener, der im März seiner Frau zuliebe von Harburg in eine Senioreneinrichtung gezogen war, feierte am Wochenende seinen
100. Geburtstag. Und einer durfte dabei nicht fehlen: sein Cowboyhut. Der Cowboyhut ist ein bisschen zu groß für seinen Kopf. Doch er trägt ihn stolz und würdevoll. „Ich habe den Rand mit einer Zeitung ausgestopft“, sagt Willi Kastenbein und strahlt über das ganze Gesicht, „so passt er.“ Kastenbein sitzt in seinem Sessel in der Seniorenresidenz „Pflegen und Wohnen Farmsen“ und zieht das sorgfältig gefaltete Papier aus dem Hut. Das Datum auf der Titelseite verrät, wann das war. Am 29. September 1981. „Es war ein Geschenk von meinem Cousin“, sagt der Senior, „er hat ihn mir aus Chicago, aus Amerika, mitgebracht.“ Seitdem ist der Hut sein Markenzeichen. Passend für einen Mann von Welt.
Und das ist er schon alleine durch seine lange und wechselvolle Lebensgeschichte. Willi Kastenbein lebte mit seiner Frau Erika 55 Jahre lang in einer Wohnung an der Lühmannstraße in Harburg. Dort ging er seinem Hobby, dem Ziehen von Tomatenpflanzen auf dem Balkon, nach. Ein Foto, auf dem das Paar auf dem Balkon mit den Tomaten abgebildet ist, ziert heute seinen Nachttisch. Ein winziger Teil eines langen Lebens. Enkeltochter Martina Buhr (56) hatte den Umzug des Großvaters, der bis März dieses Jahres mit seiner Erika (96) noch in der gemeinsamen Wohnung lebte, nach Farmsen organisiert. „Der Gesundheitszustand meiner Oma ließ es nicht mehr zu, dass sie alleine blieben“, so Buhr.„Früher war es schöner“, resümiert der Jubilar, „da war es ruhiger, nicht so hektisch.“ Damals gab es auch noch Leberwurst mit Fettstücken. Die gibt es heute nicht mehr. „Wissen Sie, die Wurst, die schmeckte so herrlich“, erinnert sich Kastenbein. Sein Gesicht erhellt sich erneut.

Bewegtes Leben


„Ich vermisse Harburg“, sagt er weiter. Hier hatte er nach seiner Flucht aus der ehemaligen DDR 55 Jahre lang eine neue Heimat gefunden. Nach dem Krieg lebte der Jubilar in Erfurt, lernte seine Frau Erika auf der Straße kennen. Man kam ins Gespräch, verliebte sich. Doch das Leben in Erfurt war nicht immer einfach. Kastenbein beschloss, die DDR zu verlassen. „Wir hatten Glück“, sagt er, „die letzten Waggons wurden nicht kontrolliert.“ Er floh allein. Viel zu gefährlich sei es für seine Frau gewesen. Erika holte er später nach. In Hamburg arbeitete Kastenbein dann als Schweißer für Werften wie Bloom + Voss. „Bis zuletzt hat Opa mich auch immer unterstützt“, erzählt Enkelin Buhr, die in einem Kindergarten arbeitet: „Er hat für mich Kastanien gesammelt mit denen ich dann gemeinsam mit den Kindern gebastelt habe.“ So ein 100-jähriger Geburtstag will ordentlich gefeiert werden. Dafür hat Buhr extra Willi Kastenbeins Lieblingswurst organisiert: Leberwurst mit kleinen Fettstücken. So wie früher. „Es gibt auch Schinkenbrot, das mag Opa so gern“, sagt die Enkeltochter weiter, „wir feiern so, wie Opa es sich gewünscht hat. Mit der Familie.“ Die Geburtstagstorte ziert eine 100 obendrauf.
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