Wo darf Sophie siegen?

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Schwimmerin Sophie Klinge vor der Halle in Farmsen Fotos: Christa Möller
 
Arne Fürstenwerth, Sophie Klinge, Stefanie Klinge und Britta Fürstenwerth

Wettkampfgruppe für Schwimmer mit Handicap gesucht

Von Christa Möller
Farmsen. Sophie Klinge macht ihrem Sternzeichen Krebs alle Ehre: Die Dreizehnjährige liebt das nasse Element und schwimmt mit großer Begeisterung fast wie ein Fisch im Wasser. Allerdings dauerte es geraume Zeit, bis es soweit war. „Anfangs mochte ich das Wasser nicht“, sagt sie und Mutter Stefanie Klinge erinnert sich: „Das war ein etwas holperiger Anfang. Wir haben drei private Schwimmschulen versucht, bis wir bei Oktopus gelandet sind.“ Schwimmvereine kamen gar nicht infrage: „Die haben gleich abgewunken, wenn sie erfahren haben, dass Sophie Koordinationsstörungen hat.“ Denn das Mädchen ist seit seiner frühesten Kindheit durch cerebrale Bewegungsstörungen gehandicapt. Die meisten Schwimmschulen machen Schwimmunterricht vom Rand aus, wie die Mutter damals erfuhr, als ihre Tochter mit fünfeinhalb Jahren schwimmen lernen sollte – so wie viele andere Kinder auch. Ein Grund: „Weil wir gern Urlaub am Wasser in Dänemark machen.“
Sie lernte auch Tauchen
In der Schwimmschule Oktopus des Ehepaares Fürstenwerth in Farmsen waren in Sophies erstem Kursus drei bis vier Trainer mit sechs bis zehn Kindern im Wasser, die sich mit dem Schwimmen lernen aus unterschiedlichen Gründen etwas schwer taten. Das Schwimmbad m Bramfelder Weg ist an der Treppe nur 80, weiter hinten dann 120 Zentimeter tief und hat 31 bis 32 Grad, ideal für Anfänger. Die erste kleine Schwimmprüfung, das Seepferdchen (25 Meter Schwimmen), wird hier etappenweise absolviert. Das ermuntert Kinder wie Sophie, die beispielsweise erst mal den Oktopus gemacht hat, wofür sie zehn Meter schwimmen musste, und dann das Seepferdchen. Danach kam sie richtig in Fahrt, schaffte das Schwimmabzeichen in Bronze und vor einem Jahr sogar das Abzeichen in Silber. Jetzt trainiert Sophie für das Abzeichen in Gold. „Erst habe ich Tauchen gelernt, dann Schwimmen“, erinnert sich Sophie – so ist es bei Oktopus üblich. „Wenn man sie so schwimmen sieht, das ist unglaublich“, freut sich Britta Fürstenwerth über ihre eifrige Schülerin, die von der Kooperation der Schwimmschule mit dem Arbeiterwassersportverein AWV 09 profitiert, wo Schwimmlehrer Arne Fürstenwerth seine Schützlinge ebenfalls trainiert.
Schwimmerin Kirsten Bruhn ist ihr Vorbild
Doch Sophies größter Wunsch, an Schwimmwettkämpfen teilzunehmen, ist bislang unerfüllt geblieben: Wettkampfgruppen für Menschen mit Handicap gibt es in Hamburg nur über Schulen für Körperbehinderte und somit hat sie zur Zeit keine Chance, ihrem großen Vorbild, der Schwimmerin Kirsten Bruhn nachzueifern, die während ihrer Laufbahn bei den Paralympics, den Olympischen Spielen für körperbehinderte Sportler, zahlreiche Medaillen gewann – zuletzt 2012 in London. Daneben gibt es noch die Special Olympics für geistig behinderte Sportler.
Gütesiegel
„Ihr Schwimmtempo ist nicht so schnell und sie würde disqualifiziert werden, weil sie nicht mit beiden Händen gleichzeitig anschlägt“, sagt Britta Fürstenwerth. Wettkampfgruppen für Schwimmer mit Handicap gibt es allerdings in Hamburg nicht - nur in Berlin, in Schleswig-Holstein und in Mecklenburg-Vorpommern. „Und das ist für uns zu weit weg. Deshalb sind wir zur Zeit dabei, uns durch die Verbände zu telefonieren und nach Möglichkeiten für Sophie in Hamburg zu suchen“, sagt die engagierte Mutter, die dabei von Britta und Arne Fürstenwerth unterstützt wird. Deren Schwimmschule Oktopus wurde für die Schwimmausbildung gerade als erster Schwimmschule in Deutschland das Gütesiegel „Zertifizierte Schwimmschule“ der Deutschen Schwimmjugend verliehen. Die beiden ehemaligen Leistungsschwimmer unterstützen schon seit sieben Jahren Kinder mit Behinderungen und haben durch ihren Einsatz die Schwimmhalle in Farmsen retten können, denn: „als Bäderland das Schulschwimmen übernommen hat, sollte die Halle geschlossen werden“, sagt Britta Fürstenwerth, die im Hauptberuf als Grundschullehrerin arbeitet, ihr Mann ist Versicherungskaufmann. Ihre Kinder Kim Merle und Finn Bastian haben schon diverse Schwimmsiege errungen.
Davon ist Sophie zwar noch weit entfernt, aber sie gibt die Hoffnung nicht auf und trainiert fleißig weiter. Nach ihren Hobbys befragt, sagt die Dreizehnjährige: „Hauptsächlich schwimmen, aber auch Malen und Lesen.“
In der Schule, wo sie sich in der Schülervertretung engagiert, mag sie am liebsten Englisch, Französisch und Musik. Und sie findet den Delfin toll, der als eines von vielen Wassertieren die Außenwand „ihrer“ Farmsener Schwimmhalle ziert – ein symbolträchtiges Tier.
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