Wohnen auf Zeit

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In der Wohnunterkunft Jenfeld werden die 130 Damen und Herren von der Sozialarbeiterin Claudia Fenn von Beginn an bis zum Ende des Winternotprogramms betreut. Foto: zz

Winternotprogramm:130 Plätze für Obdachlose in Jenfeld

Von Jürgen Hartmann
Jenfeld. Die Stadt Hamburg musste in diesem Winter rund 450 Plätze für Obdachlose schaffen, die einen Anspruch auf eine öffentliche Unterbringung haben. 92 dieser Plätze wurden in den Kirchengemeinden und 230 Plätze in der Spaldingstraße eingerichtet. Und seit Anfang Dezember etwa 130 Plätze in Jenfeld auf dem Gelände von „fördern & wohnen“ (f & w) im Elfsaal neben dem Pflegeheim „Pflegen & Wohnen Holstenhof und der WABE-Kita“. Die 30 Damen und 100 Herren im Alter von 18 bis 75 Jahren , darunter auch fünf Paare und fünf Hundehalter, fühlen sich in Jenfeld wohl, sagt Sozialarbeiterin Claudia Fenn. Auch wenn sie jetzt schon wissen, dass sie spätestens Mitte April, wenn das Winternotprogramm ausläuft, hier wieder ausziehen müssen. Untergebracht sind die Obdachlosen, in drei Häusern in Zwei- bis Vierbettzimmern.
Anders als zum Beispiel in der Spaldingstraße werden diese Häuser tagsüber nicht geschlossen, sondern stehen den Bewohnern immer offen. Hier braucht auch keiner jeden Tag wieder um „sein“ Bett zu kämpfen. Es gibt für jeden ein festes Zimmer mit einem Bett und einem kleinen Schrank. Auf jeder Etage dazu saubere Dusch- und Waschräume, eine Gemeinschaftsküche, Waschmaschinen und Toiletten. Die Häuser machen von innen und von außen einen ordentlichen Eindruck.
Es gibt einen eigenen Wachdienst, was gerade von den Frauen, aber auch von vielen Männern als angenehm empfunden wird. Das Verhältnis zu den Nachbarn sei entspannt, sagt Fenn, es gab bisher keinerlei Proteste oder Konflikte mit den Anwohnern.
Unverzichtbar – die soziale Betreuung. Am „Standort Jenfeld“ des diesjährigen Winternotprogramms gibt es eine soziale Betreuung wie auch in den Wohnunterkünften von f & w.
Schon bei der Aufnahme kümmert sich die Sozialarbeiterin Claudia Fenn um ihre Gäste. Sie sucht mit ihnen gemeinsam nach Lösungen, um ihnen bei ihren - teilweise gravierenden – Problemen, die letztlich zur Wohnungslosigkeit geführt haben, zu helfen. Das geschieht nicht etwa mit dem „erhobenen Zeigefinger“ oder mit Befehlen, sondern durch ihre ganz besondere Art und Weise, mit der sie es schafft, auf die Menschen zuzugehen und an sie überhaupt heranzukommen und sie zugänglich zu machen. Ganz entscheidend dabei ist es, dass keiner der 130 Damen und Herren hier Mitte April, wenn das Winternotprogramm des Senats ausläuft, auf „die Straße“ in die Obdachlosigkeit entlassen wird.

Mitte April ist Schluss

Schon jetzt bemüht sich Claudia Fenn in Einzelgesprächen Unterkünfte für ihre Gäste zu finden. Die Möglichkeit, auf Dauer hier zu wohnen und eine wenn auch kleine und bescheidene Bleibe zu haben, gibt es leider nicht. Auch wenn sich das viele sicherlich wünschen. Denn „fördern & wohnen“ gehören zwar die drei Häuser, aber es steht fest, dass sie in absehbarer Zeit abgerissen werden, weil hier neue Häuser und Stadtwohnungen gebaut werden sollen. (zz)
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