Wohnen in einem Denkmal

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Dieses Haus stammt aus dem Jahr 1926 und wurde im Bauhaus-Stil erbaut Fotos: Kuchenbecker
 
Ein Schachfeld, das besonders gut bei Regen – wegen des nassen Pflasters – zu sehen ist: Auch der Garten steht unter Schutz

Rahlstedter Ehepaar spricht über sein Haus / Pro und Kontra zum neuen Gesetz

Von Nicole Kuchenbecker
Wandsbek. Manchmal steht bei Andrea Hansmann (Name von der Redaktion geändert) ein Reh im Vorgarten oder die Kinder hüpfen auf dem Trampolin. Die Kulisse vor der das geschieht, ist eine besondere, denn Andrea und ihr Mann Christoph wohnen mit ihrer Familie in einem denkmalgeschützten Haus. „Wir haben uns ganz bewusst für dieses Haus entschieden“, erklärt Andrea: „Wir würden es auch immer wieder tun.“ Vor 13 Jahren suchte die Familie ein neues Domizil; wollte von Winterhude aus in ein eigenes Häuschen ziehen. Es sollte ganz besondere Anforderungen erfüllen, es sollte funktional sein und eine klare Struktur haben. Andrea: „Ich wollte ein kleines Haus, um das man herumgehen kann.“ Schon damals war das Haus in Rahlstedt denkmalgeschützt. Aber das Ehepaar konnte das nicht abschrecken. „So ein Haus ist ein Hobby“, sagt die Kunsthistorikerin. Ein teueres Hobby: Denn die Bauten müssen im Original erhalten bleiben. Und jede Baumaßnahme muss vorab mit der Denkmalschutzbehörde abgesprochen werden. „Wir haben nur gute Erfahrungen mit dem Denkmalamt gemacht“, so Hausbesitzerin Hansmann. Manchmal sei es allerdings gar nicht so einfach, den geeigneten Handwerker zu finden. Und es sei natürlich eine Kostenfrage. Von der Stange ist hier nichts.
Originalgetreu nachbauen
„Wenn beispielsweise Fenster originalgetreu nachgebaut werden müssen, dann kann das schon mal ins Geld gehen“, sagt sie. Aber dafür gibt es ja öffentliche Zuschüsse zur Denkmalpflege und steuerlich absetzbar ist es auch. Was durch das neue Denkmalschutzgesetz auf Hamburger Eigentümer jetzt zukommt, praktizieren Andrea und Christoph schon seit 13 Jahren. Erfolgreich. Das Haus ist einfach ihr Zuhause geworden. Und eine größere Umbaumaßnahme hat es auch schon hinter sich: einen Anbau. Christoph, von Beruf Architekt, hat ihn selbst entworfen. Damit der Anbau auch zum Rest des Hauses passt, wurde er im Stil angepasst – als Kubus. Aber es gab eine Auflage des Denkmalschutzamtes: Der Anbau durfte nicht höher sein als das Original-Gebäude. „Also haben wir ihn rund 30 Zentimeter abgesenkt“, erzählt die Kunsthistorikerin.
Einen Nachteil hat das Haus der Hansmanns trotzdem: es ist nicht gedämmt. „Energetisch ist das natürlich eine Katastrophe“, sagt Andrea, „aber das macht nichts, wir ziehen uns dann einfach wärmer an.“ Zwar ist das Dach gedämmt, doch eine Nachrüstung der Fassade würde die Optik und die Größenverhältnisse verändern – und das ist bei einem Denkmal nicht erlaubt.

Bauhaus-Stil
Das Haus von Andrea und Christoph stammt aus dem Jahre 1926 und wurde im Bauhaus-Stil entworfen. Der damalige Kreisbaudirektor Brake wohnte einst selbst hier. Der Stil gehört zur Bewegung „Neues Bauen“, die zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Weimarer Republik anzusiedeln ist. Besonderes Merkmal: verschachtelte Kuben und klare Strukturen. Der Leitgedanke des Bauhauses: Die Verbindung von Architektur als Gesamtkunstwerk mit anderen Künsten. 1919 entstand unter Walter Gropius in Weimar eine Kunstschule – das staatliche Bauhaus. Es stellt die einflussreichste Bildungsstätte der Architektur, der Kunst und des Designs dar. Heute gilt es als Heimstätte der Avantgarde der Klassischen Moderne. (nk)


Pro:

Helmuth Barth, Vorsitzender Denkmalverein Hamburg:

„Die Eigentümer der jetzt hochgestuften 3000 Denkmäler profitieren in mehrfacher Hinsicht. Sie haben jetzt Rechtssicherheit und damit Denkmalsicherheit, und sie können in Zukunft Steuererleichterungen und Finanzzuschüsse für denkmalpflegerischen Mehraufwand beantragen. Tätig werden müssen sie erst dann, wenn sie eine Veränderung an ihrem Denkmal vornehmen wollen. Erst dann müssen sie eine Genehmigung einholen und können gegebenenfalls dagegen angehen. Hier herrscht noch immer die Unkenntnis, dass das Widerspruchsrecht über den Denkmalwert weggefallen ist: das ist nicht der Fall.“


Kontra:

Heinrich Stüven, Vorsitzender Grundeigentümer-Verband Hamburg:

„Denkmalschutz ist etwas, was wir benötigen. 63 Prozent der Hamburger Bauten sind im privaten Eigentum und prägen das Bild der Stadt. Aktiver Denkmalschutz sichert nachfolgenden Generationen ein attraktives Hamburg. Doch das neue Denkmalschutzgesetz ist ein Novum, denn es verletzt den durch die Verfassung garantierten Schutz des Eigentums. Gesetze sind grundsätzlich nicht dazu da, der Verwaltung ihr Handeln zu vereinfachen. Doch nur dies ist der Sinn des neuen Denkmalschutzgesetzes.“
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