Wohnraum gegen Grün in Eilbek

Anzeige
Die Bäume auf der Dreiecksfläche sind gefällt Foto: mkb

Dreiecksfläche: Rückblick auf eine schwierige politische Entscheidungsfindung

Von Martin Kranz-Badri
Eilbek
Mittlerweile sind nach den kürzlichen Rodungen auf der Dreiecksfläche Hasselbrookstraße, Papenstraße und Peterskampweg alle gefällten Bäume verschwunden. Sie wurden für den Bau von 62 Wohnungen und einer Kita gefällt. Die Bezirksverwaltung betont, dies gehöre zum Wohnungsbauprogramm für Hamburg, zu dem die sieben Bezirke verpflichtet wurden. Daher sah auch der in der Wandsbeker rot-grünen Koalition mitregierende baupolitische Sprecher von Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Schweim, wenig Spielraum Anfang 2014: „Die Entscheidung über die Größe des Vorhabens war durch den damals allein regierenden SPD-Senat geprägt. Es gab eine Senatsweisung an den rot-grünen Bezirk, dort in der nun umgesetzten Größe zu bauen. Wir hätten damals gerne auf der Bezirksebene den Dialog mit der Initiative gesucht, um Kompromisse zu finden.“ Durch die Weisung des SPD-Senates sei dies aber nicht möglich gewesen.

Einfach durchgewunken


Dem kann sein CDU-Kollege in der Opposition, Kai Falcke, nicht ganz folgen: „Trotz aller berechtigten Kritik an den Abläufen winkte die rot-grüne Bezirkskoalition den Vorgang nach dem Alibi-Workshop mit der eigenen Mehrheit in den nachfolgenden Fachausschuss durch. Sie tat dies ohne die strikten Vorgaben der Senatskommission zu hinterfragen, oder sich erneut inhaltlich mit dem Bauvorhaben zu beschäftigen.“ Schweim sieht die Entscheidung in einem Spannungsfeld zwischen Wohnungsbau und städtischem Grün: „Einerseits müssen wir unter sozialen Aspekten für ausreichenden günstigen Wohnraum sorgen und andererseits den Flächenverbrauch reduzieren.“ Die Initiative betont, nur 30 Prozent der Wohnungen seien sozialer Wohnungsbau und längst nicht alles Mietwohnungen. Ziel des Landes sei, in Hamburg bis 2035 durchschnittlich 8.056 Wohnungen pro Jahr zu bauen. Hierbei sind dringend benötigte Folgewohnungen für Flüchtlinge noch gar nicht enthalten. Trotzdem ist Schweim der Meinung, dass „auch im städtischen Raum Grünflächen als Oasen zu erhalten sind. Wir werden daher selbstverständlich nicht bei jeder Fläche einer Bebauung zustimmen.“ Hier könnte er im baupolitischen Sprecher der Bezirks-CDU einen Mitstreiter finden. Die CDU sei „entschieden gegen die weitere Vernichtung innerstädtischer Grünflächen sowie gegen die Bebauung freier Flächen mit massiven Baukörpern, die nicht in das umliegende Straßenbild passen.“ Doch reichen Baulücken allein aus, um so viele Wohnungen zu bauen?

Straße wird entsiegelt



Die teilweise Versiegelung der Dreiecksfläche wird jedoch nicht ganz ökologisch ausgeglichen: „Um nun wenigstens einen, wenn auch geringen Ausgleich zu schaffen, konnten wir in der Koalition durchsetzen, die Straßenverkehrsfläche vor dem Eingangsbereich des Jacobiparks zu entsiegeln und den Park damit mit der Dreiecksfläche zu verbinden“. Die derzeitige Einmündung der Papenstraße in die Hasselbrookstraße wird dann aufgehoben und endet in einem Wendekreis. Damit schafft man einen ökologisch wertvollen Freiflächenverbund. Insgesamt kann so etwa 450 Quadratmeter Straßenverkehrsfläche entsiegelt werden. Schweim weist auf ein zusätzliches Ziel hin: „Um die negativen Wirkungen auf das Stadtklima abzumildern, haben wir außerdem bei nahezu sämtlichen neuen Bebauungsplänen in Wandsbek die Bauherren dazu verpflichtet, auf Flachdächern Grünflächen einzurichten.“ Auch der globalen Klimaerwärmung soll mit dem Bau entgegengewirkt werden. Im Durchführungsvertrag, dem die rot-grüne Mehrheit in der Bezirksversammlung im Oktober 2015 zustimmte, sind zusätzlich 300 Quadratmeter Photovoltaikanlage für Strom und 100 Quadratmeter Solarthermieanlage für Warmwasser und Heizung vorgesehen. Zudem ist ein Energiestandard von KfW70 festgesetzt und damit 30 Prozent weniger Energieverbrauch als es die Energieeinsparverordnung vorschreibt. In einer Email an die Bürgerinitiative vom Januar gibt Schweim jedoch zu: „Ich bin mir sicher, dass ich Sie bezüglich der Dreiecksfläche mit all meinen Ausführungen nicht überzeugen kann.“ Die Kritik von „Eilbek wehrt sich!“ geht jedoch viel weiter: „Neben dem fehlenden Naturerhalt ist auch unser demokratisches Recht auf Bürgerbeteiligung verletzt worden“, so Renate Endrulat. Angesichts zunehmender Politikverdrossenheit ein schwerer Vorwurf. Die Initiative verweist auf andere aktuelle Fälle wie beim Gleisdreieck in Barmbek Nord, wo ebenfalls fehlende Bürgerbeteiligung mit Rodungen wegen Bauvorhaben gepaart sind.

Wann wird gebaut?


Das Fällen der Bäume war offenbar kein Indiz für einen sofortigen Baubeginn, noch ist kein Bagger in Sicht. Ende Februar endet lediglich der Zeitraum, in dem aus naturschutzrechtlichen Gründen Baumfällungen überhaupt möglich sind. Laut Vertrag haben die Bauträger noch eineinhalb Jahre Zeit, um mit dem Bauvorhaben auf der Dreiecksfläche zu beginnen. Es ist jedoch eher mit einem Baubeginn im Frühjahr zu rechnen, auch wenn wegen fehlender Unterlagen die Baugenehmigung noch nicht erteilt wurde.
Anzeige
Anzeige
5 Kommentare
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 09.03.2016 | 08:30  
6
René Egal aus Eilbek | 09.03.2016 | 22:18  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 11.03.2016 | 12:15  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 11.03.2016 | 19:33  
393
Michael Kahnt aus Barmbek | 15.03.2016 | 08:20  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige