Wollen wir uns wieder vertragen?

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Streitschlichter wurden in der dritten Klasse ausgebildet und können nun in der vierten Klasse aktiv werden und bei Zoff zwischen Mitschülern vermitteln. Fotos: kg
 
Bei einem Streit geht es gemeinsam in den Streitschlichter-Raum, und am Ende wird eine Art Vertrag unterzeichnet, der den weiteren Umgang untereinander regelt.

Streitschlichter an der Grundschule Gartenstadt

Von Karen Grell

Wandsbek-Gartenstadt. An der Grundschule in Wandsbek-Gartenstadt gibt es 23 Streitschlichter. Nach einer einjährigen Ausbildung können Viertklässler einwirken, um Streit zu vermeiden oder die eskalierte Situation wieder in Ordnung zu bringen. Wenn man sich vor Jahren irgendwann einfach die Hand gab und fragte, ob man sich wieder vertragen wolle, gibt es heute bei den Streitschlichtern ein ganz konkretes Konzept, das in fünf Phasen zur Einigung führen soll.

Fünf-Phasen-Konzept

„Kinder, die im Streit liegen, werden im Schlichtungszimmer zusammengeführt“, erklärt Maria Clasen, die das Projekt mit ihrer Kollegin Kerstin Langhoff betreut. Die erste Phase bedeutet die respektvolle Begrüßung, der sogleich die zweite mit dem Sammeln von Fakten für die Klärung der Hintergründe des Streits folgt. „Dabei müssen wir darauf achten, dass jedes Kind dieselbe Redezeit bekommt“, erklärt Tabea. Platz drei der konkreten Schritte im Verlauf gegen den Streit, haben die Gefühle. Wie hat der andere eigentlich die Beschuldigungen und beleidigenden Worte erlebt und wie verletzt ist er? Oft werde erst dann deutlich, was das Gegenüber bei diesem Streit auch für Wunden erlitten hat. „Ich mache bei den Streitschlichtern mit, weil ich es wichtig finde, dass wir auch mal untereinander Lösungen finden und nicht immer gleich zum Lehrer rennen“, erklärt Nicole aus der vierten Klasse.
Nachdem dann herausgefunden wurde, was die beiden Konfliktpartner eigentlich voneinander erwarten und was sie stört, wird nach Lösungsvorschlägen gesucht. „Wir müssen als Streitschlichter dabei sehr ernst und überzeugend wirken“, betont das aktuelle Schüler-Team. Gerade sitzen, dem anderen in die Augen schauen und ausreden lassen, das sei oberste Priorität. Deshalb kann auch nicht jeder diesen Job übernehmen, bei dem er im Zweierteam jeweils eine der Klassen als Konflikt-Pate betreut.
Selbstbewusstsein, eine starke Persönlichkeit und die Kunst des Vermittelns in Situationen, die eskaliert sind, seien ganz wichtig. Bei einem Streit auf dem Pausenhof, bei dem es richtig „zur Sache geht“, da wird dann zunächst eine Lehrkraft hinzugeholt. Geschlichtet wird nie direkt vor Ort sondern erst eine Weile später, wenn die Gemüter wieder abgekühlt sind und sich die Streitenden im Schlichtungsraum befinden.

Streithähne treffen sich im Schlichtungsraum

Zunächst wird dann die Vereinbarung, die beide ausgearbeitet haben, schriftlich festgehalten und anschließend von beiden unterschrieben. Um Streitschlichter an dieser Grundschule zu werden, dafür reichen dann genau drei Phasen aus. Zuerst muss man von anderen Schülern vorgeschlagen werden, sich dann vorstellen und begründen, warum man für diese Aufgabe geeignet wäre und am Ende wählen die Lehrerinnen aus. „Mir macht der Job richtig viel Spaß“, erzählt Jerome, der es auch als einen Vorteil ansieht, viele Kinder der Schule besser kennenzulernen und neue Kontakte zu knüpfen.
Die Schüler der Grundschule An der Gartenstadt haben mit ihren Streitschlichtern einen großen Schritt in Richtung eines friedlichen und respektvollen Miteinanders getan.
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