Zeit zum Innehalten

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Volkstrauertag in Rahlstedt

Von Hubert Bätz

Rahlstedt/Oldenfelde/Meiendorf. Es war ein Volkstrauertag, wie ein Klischee - grau, neblig, nass und kalt. In Rahlstedt erinnert an der Ecke Buchwaldstaße/Rahlstedter Straße ein gedrehter Pfeiler mit einer Kupferschale mit den Inschriften „Den Opfern – 1939 – 1945“, „Wir mahnen die Welt“ an die Kriegsopfer, in Oldenfelde am Dellingsdorfer Weg, ein vierseitiger hoher Pyramidenstumpf mit eingemeißelten gekreuzten Schwertern, Helm und Eichenlaub an „die im Weltkriege gefallenen Söhne“ (1.Weltkrieg).
Das Meiendorfer Denkmal im Park Deepenhorn hinter der Stadtteilschule Meiendorf hat eine besondere Geschichte. Ursprünglich war das Denkmal nur für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges konzipiert (Einweihung 20. August 1933), später nach Restaurierung 1963 wurde es auch für die „Kriegstoten 1939-1945“ des Zweiten Weltkrieges zur Gedenkstätte. Das Denkmal und seine Veränderungen zeigt das Dilemma solcher Gedenktage zwischen „Heldenverehrung“ und „Opfergedenken“ sehr deutlich. Vor 1949 waren an jeder der acht Säulen eine Bronzetafel mit den Namen der Gefallenen, allerdings wurden damals die Tafeln gestohlen.

Erinnerungen weitergeben

Die Wandsbeker SPD-Bundestagsabgeordnete Aydan Özoguz – dieses Jahr stellte die SPD turnusmäßig die Redner - , erinnerte an die gefallenen Soldaten und zivilen Opfer von weltweiten Kriegen, die „bei Bombardierungen oder auf der Flucht ihr Leben verloren“, oder „die wegen ihrer ethnischen Zugehörigkeit, ihres Glaubens, ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer politischen Überzeugung wegen ermordet wurden“, und sie zeigte auf, wie sich das Gedenken verändert hat. Die Ursprünge des Volkstrauertages reichen bis 1922 zurück. Damals veranstaltete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Gedenkfeier, „um das Gedenken an die Millionen Kriegstoten des Ersten Weltkrieges zu wahren“.
Özoguz: „Doch wir wissen auch, dass die Nationalsozialisten den Volkstrauertag nach ihrer Machtübernahme in einen „Heldengedenktag“ umwandelten, der bis 1945 jährlich im März stattfand“. Es sei daher wichtig, dass Erinnerungen und Gedenken an die nächsten Generationen erfolgreich weitergegeben würden. Ähnlich äußerte sich Pastor Nils Christiansen von der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde. Er plädiert dafür, über Gewalt, erlebte Gewalt, und Kriegserfahrungen zu reden. „Denn nur so kann man Erlebtes aufarbeiten und gemeinsam mit anderen Frieden erreichen.“
Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ingo Egloff schloss mit den Worten: „Morgen beginnt für uns wieder der Alltag. Es ist gut, dass wir auch Gedenktage und Feiertage haben. Denn es ist eben kein Luxus, Zeit zum Innehalten zu haben, sondern eine Notwendigkeit.“
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