Zeitzeugen auf DVD

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Filmproduzent Rolf Jacobson (2.v.r.) mit einigen Zeitzeugen: CarstenStern (71, v.l.), Richard Hensel (80), Lore Bünger (90) und Claus Günther (82) Foto: Biehl/wb

Fotos und Filme aus dem Krieg dringend gesucht

Von Bert C. Biehl
Hamburg. Sie haben Dinge erlebt, die sich die junge Generation heute kaum mehr vorstellen kann: ein Leben unter Todesangst im 2. Weltkrieg. Sie waren Opfer der NS-Diktatur, Soldaten in Hitlers Armee oder Einwohner im Bombenhagel. 1997 fand sich eine Gruppe solcher Zeitzeugen unter dem Dach des Seniorenbüros Hamburg e.V. mit Sitz in St. Georg zusammen. Ihre Mitglieder sind mittlerweile gefragte Gäste in TV-Produktionen zur Zeitgeschichte. Und sie kommen auf Einladung auch kostenlos in Schulen und berichten den Jugendlichen über die Lebensumstände damals.
Jetzt planen die Senioren ihr bislang größtes Projekt: eine DVD-Kollektion mit Zeitzeugen-Interviews. Die sollen später interessierten Schulen kostenlos für den Unterricht zur Verfügung stehen. „Geplant sind drei DVDs mit je 45 Minuten Spielzeit“, sagt Rolf Jacobson. Der 69-Jährige hat rund 30 Jahre als freier Filmproduzent gearbeitet. „Wir wollen die Geschichten ganz normaler Hamburger Bürger festhalten“, sagt Jacobson. Dabei interessiert ihn vor allem auch das Private. In den Erinnerungen gehe es manchmal um das Swing-Tanz-Verbot, manchmal um das Abhören des „Feindsenders“ Radio London bei geschlossenen Fenstern unter der Bettdecke oder auch um das Einlösen von Lebensmittelmarken.
Die Interviews sollen abschnittsweise die ersten NS-Jahre, die Kriegs- sowie die Nachkriegsjahre thematisieren. Jacobson engagiert sich seit zwei Jahren in diesem Projekt, das im Frühjahr 2014 fertig sein soll. In dieser Zeit hat er bereits 20 Interviews geführt, hat rund 50 Stunden Material aufgenommen.
Allerdings: „Wir benötigen noch dringend Fotos, vor allem aber Filme aus der Zeit des sogenannten ‚Dritten Reiches‘“, sagt der Filmemacher. Der Vollprofi will darin die Interviews einbetten,
damit die DVDs heutigen Seh-
gewohnheiten entsprechen.
Im Punkt Finanzierung stoßen Jacobson und die momentan zehnköpfige Arbeitsgruppe der Zeitzeugenbörse noch an Grenzen. Während der Volks-
dorfer seine Arbeitszeit und seine Profi-Ausrüstung kostenlos zur Verfügung stellt, werden Urheberrechtskosten und Herstellung wohl rund 10.000 Euro verschlingen. Aktuell würden gerade Anträge auf Fördermittel vorbereitet. „Wer für das Projekt spenden will, ist herzlich willkommen“, so
Jacobson. (wb)
Kontakt: Seniorenbüro Hamburg e.V., Geschäftsführer Ulrich Kluge, Tel.: (040) 30 39 95 07
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