Zocken und Mathematik

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„Bayern oder HSV“ – eine Frage derWahrscheinlichkeit Foto: tel

Poker-Weltmeister gibt Unterricht der besonderen Art am Gymnasium

Von Michael Hertel
Oldenfelde
Mathe muss nicht das Horrorfach in der Schule sein, im Gegenteil: „Mathe ist cool und hilft mir immer wieder im Leben, Entscheidungen zu treffen.“ Mit dieser Botschaft trat der Regensburger Diplom-Mathematiker und Präsident des Deutschen Poker Sportbundes, Stephan Kalhamer (39), vor 28 Schülerinnen und Schüler der Klasse 6D am Gymnasium Oldenfelde. Den Kontakt hatte Poker-Abteilungsleiter Matthias Liese (46) vom TuS Berne vermittelt. Mucksmäuschenstill war es, als sich der Trainer des deutschen Poker-Weltmeisterteams von 2011 den Jugendlichen vorstellte: „Ich will euch etwas über‘s Pokern erzählen.“ Großer Jubel in der Klasse. „Und über Mathe!“ Lautes Murren – doch dann durften die Schüler gegen den Meister antreten. Kalhamer mischte ein Pokerblatt, zog eine Zehn und fragte die Schüler: „Was glaubt ihr, was ich als nächstes ziehe: eine höhere oder eine niedrigere Karte?“ Um alle aus der Reserve zu locken, provozierte er gleich: „Na kommt, so schwer ist das nicht. Ich wette auch eher auf den FC Bayern als auf den HSV.“ Auf diese Weise wurden mehrere Runden „um Punkte“ gespielt. Die Besten drei – Luca, Kevin und Laurin – durften dann allein gegen den Team-Europameister von 2013 um Kreidestücke zocken. Kevin (12) bewies dabei ein besonderes „Pokerface“. Er nahm seinem Kontrahenten mit einem Bluff glatt vier Punkte ab. „Mach das nicht zu oft, das ist gefährlich“, riet ihm Kalhamer anschließend. Auch Laurin gab sich mutig, war aber am Ende „pleite“. Kalhamers Rat: „Pokern ist Mathe plus Psychologie. Wenn man mal verliert, muss man das abhaken. Wichtig ist, immer wieder aufzustehen.“ So verging die Mathe-Stunde wie im Fluge, und am Ende waren wohl einige Schüler der Ansicht, dass das Fach vielleicht doch nicht so blöd ist. Kevin: „Das hat wirklich Spaß gemacht – eine ganz neue Erfahrung.“ Zufrieden war auch Mathe-Lehrerin Christine Minkwitz (52): „Sehr unterhaltsam, diese andere Mathe-Stunde. Sie passte auch wunderbar in den Lehrplan, weil wir uns bald mit Wahrscheinlichkeitsrechnung beschäftigen werden.“
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