Zuflucht für Arme in Wandsbek

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Helga Wilk, Birgit Vogler und Bernd Gehrke in der Kirchenküche (v.l.).

Die Kirchenküche an der Christuskirche

Wandsbek. Ein Dutzend Tische gibt es im holzgetäfelten Raum im ersten Stock der Christuskirche. Auf den orangen Tischdecken mit Blumenmotiv stehen jeweils Salz, Pfeffer und eine Kaffeekanne. Aus der kleinen Küche nebenan weht Essensduft herüber, es gibt Hühnerfrikassee.
Es ist kurz vor halb zwölf, vom Wandsbeker Markt her kommen die ersten Gäste. Es sind vor allem ältere Menschen. Obdachlose, Hartz 4-Empfänger und Bezieher kleiner Renten. „Im Schnitt kommen täglich 70 bis 80 Menschen zu uns“, sagt Birgit Vogler. Seit 12 Jahren leitet sie die Kirchenküche der Christuskirche. 14 Ehrenamtliche Helfer stehen der Wandsbekerin zur Seite. Sie stellt das Menü zusammen, es wird vor einer Firma fertig in Containern angeliefert. Es sind gängige Gerichte, vom Kotelett bis zum Seelachsfilet. „Das Essen ist lecker“, sagt Birgit Vogler, „und wer will, bekommt auch Soße oder Kartoffeln extra.“ Einen Euro müssen die Gäste zahlen, 2 Euro 80 kostet ein Essen eigentlich. Die Differenz wird aus Spenden und Geldern der Kirchengemeinde beglichen. Als die Kirchenküche 1987 gegründet wurde, kochten die Ehrenamtlichen noch alles selbst. Doch damals waren es weniger als halb so viele Essen, die ausgegeben wurden. Das Angebot kommt seit 25 Jahren gut an, die meisten Besucher sind Stammgäste.

„Hier ist auch ein Treffpunkt.“
Sie kommen nicht nur wegen des günstigen Mittagessens, das es in Wandsbek von Montag bis Donnerstag gibt. „Hier ist auch ein Treffpunkt“, erklärt die 58-jährige Küchenchefin. „Viele wollen aber auch einfach nur ihre Ruhe haben.“ Das werde respektiert. Vogler kennt zwar selten die Namen, wohl aber die Schicksale ihrer Kundschaft. Vielen falle ihr Leben in Armut schwer, mitten im reichen Hamburg. Alkohol spiele häufig eine Rolle, auch Obdachlosigkeit. Besonders Frauen trauen sich am Anfang nicht, das Angebot der Christuskirche anzunehmen. Birgit Vogler liebt ihre Arbeit. „Ich habe gerne mit Menschen zu tun“, sagt sie. „Es liegt mir am Herzen, dass die Gäste zufrieden sind und die Mitarbeiter Spaß an der Arbeit haben“. Die gelernte Bürokauffrau kann sich gut vorstellen, ihren Halbtagsjob noch bis zur Rente weiter zu machen.
Über ihre ganz persönlichen Erfahrungen mit Armut in Wandsbek wird Birgit Vogler am heutigen Mittwochabend in der Stadtteil-Konferenz berichten.

2. Stadtteil-Konferenz Wandsbek-Marienthal, Mittwoch, 18. April, 18.30 Uhr im Kulturschloss Wandsbek (Königsreihe 4). Weitere Themen: Aktuelles aus dem Stadtteil, Anregungen für die weitere Arbeit der STK.
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