Zum Hunderennen – oder neuer „Perso“ im Ortsamt Wandsbek

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Majestätisch liegt das Wandsbeker Ortsamt in seiner weißen Pracht im Nieselregen. Gibt es dort einen Schlussverkauf? Heerscharen von Menschen drängen in den Haupteingang und durch die andere Tür wieder heraus. Ein neuer Personalausweis muss her. Der alte läuft bald ab. Das Ortsamt kennt die Fristen und informierte mich frühzeitig. So hatte ich einen Termin.

Aber bei welcher Schlange soll ich mich anschließen? Die grobe Orientierung ist schon mal klar: Einwohnermeldeamt. Rechts schwenkt. Die lange Schlange bis fast zum Haupteingang verschafft Sicherheit. Wo so viele Menschen warten, muss es was geben. Aber über der Schlange hängen in einigen Metern Entfernung zwei Pfeile an der Decke. Ich kann sie vom Ende aus nicht entziffern. Die Frau vor mir, bittet mich ihren Platz freizuhalten, da sie sich nicht sicher ist, ob sie die richtige Schlange erwischt hat. Also Geduld. Zeit habe ich genug. Sie kommt nicht wieder. Also schere ich aus und gehe etwas an der Schlange vorbei, um den Text auf den Pfeilen zu lesen. Rot und grün wird es jetzt. Ohne Termin musst Du in der roten Linie warten. Mit Termin ist die Schlange nur zwei Personen lang. Grüne Fußspuren vom Wartepunkt führen zur Info. Dieselbe Schlange verbindet. Der junge Mann vor mir versichert sich bei mir (sic), ob er in der richtigen Schlange steht. Ich hoffe es für ihn.

Eine freundliche Mitarbeiterin winkt mich an den Tresen. Aber nicht gemäß der grünen Fußspuren. Sie wird wissen, was richtig ist. Sie händigt mir einen Fragebogen aus und einen Zettel mit der Nummer 013. Guten Ohmen? Ich hoffe es. Im Warteraum gleich neben dem Tresen warten an die 40 Personen. Zwei Mütter bespaßen ihre Kleinkinder in einer abgetrennten Ecke. Mehrere Verbotsschilder sagen es unmissverständlich: Hier keine Handys. Allerdings ohne viel Erfolg.
Der Fragebogen ist schnell ausgefüllt. Dabei muss man immer die Anzeigetafel im Blick behalten. Hunderennen? Nein Kundenlenkung. Und eigentlich auch einfach zu verstehen. Die Tafel besteht nur aus sechs Feldern. Links steht eine Nummer (die vom Zettel) und rechts daneben die Nummer des Bearbeitungsplatzes in dem Großraum. Die anderen Wartenden wirken relativ locker und wenig angespannt. Sie fingern mit Papieren herum, schauen sich wartend im Raum um. Derweil strömen ständig weiter Menschen aus dem Eingang.

Ah die Nummer 013 – es geht schnell. Hinter einer dicken Säule im Raum wartet meine Sachbearbeiterin bereits. Mein Foto findet Anklang. Es entspricht offenbar den technischen Anforderungen. Dann möchte sie meine Fingerabdrücke haben. Ich hatte ihrer Frage leichtsinnigerweise zugestimmt. Aber nichts mit Tinte und Abrollen der Finger auf einem Stück Papier wie im Spielfilm. Ein niedlicher Scanner, auf den genau ein Finger passt, steht links parat. Erst soll ich den einen Zeigefinger und dann den anderen auf das Gerät legen. Das Kästchen blinkt derweil grün vor sich hin. Die Gebühr zahle ich direkt am Platz mit Karte. Bar wäre auch gegangen. Aber dann hätte ich durch den Vorraum zum Kassenautomaten gehen müssen. So ist es zack erledigt.

Im Sommer sei noch mehr los, erklärt mir die Sachbearbeiterin auf meine Frage. Sie hat mein ganzes Verständnis. Den fertigen Perso soll ich in etwa zwei Wochen erhalten. Dann müsse ich mich auch nicht in der roten Schlange anstellen, erklärt sie mir abschließend. Nix wie raus in den Wandsbeker Nieselregen.
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