Eine Milchkanne, die sich etabliert hat

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Gert Haushalter (v.l.), Hans Schuy und Berndt Wagner mit der symbolischen Milchkanne. Foto: Christa Möller

Engagierte Oldenfelder helfen Kindern in Not

Von Christa Möller
Oldenfelde. Eine Milchkanne ist laut Duden eine große Kanne, in der Milch vom Produzenten zur Molkerei transportiert wird beziehungsweise eine Kanne, in der Milch geholt wird. Wer die Oldenfelder nach der Bedeutung des Wortes „Milchkanne“ fragt, bekommt allerdings höchstwahrscheinlich eine ganz andere Antwort. Denn hier ist die „Milchkanne“ seit vielen Jahren als soziales Projekt bekannt.

Es begann mit dem Schulfrühstück

Berndt Wagner, ehemaliger Vorsitzender des Bürgervereins Oldenfelde, erinnert sich: „Die ‚Milchkanne’ ist entstanden in der Schule Kamminer Straße, wo damals Lehrer bemerkten, dass es bei einigen Kindern Konzentrationsschwächen gab, offenbar, weil sie unversorgt zur Schule gingen. Deshalb haben die Lehrer dann das Schulfrühstück eingeführt.“ Über den Schulverein wurden Lebensmittel dazugekauft, weil nicht alle Kinder Frühstück mitbrachten. Als die Schulvereinsmittel Anfang der 90er Jahre knapp wurden, hatte Fred Schlinke, der damals im Bürgervereinsvorstand aktiv war, die Idee zu Sammlungen in einer Milchkanne, um den Fehlbetrag auszugleichen und benannte das Projekt auch entsprechend. „Das Spendenaufkommen war sehr groß“, resümiert Berndt Wagner. Er weiß, dass auch heute noch einige Kinder „unkonzentriert in der Klasse herumhampeln, weil sie ohne Frühstück in die Schule gekommen sind.“
Mittel aus der „Milchkanne“ gingen unter anderem an den Kindertreff Oldenfelde im ehemaligen Waschhaus an der Zinnowitzer Straße, der heute gut finanziell organisiert ist. Außerdem profitierte der evangelische Kindergarten davon. „Wir haben den Kindergarten gemeinsam mit der Kirche, der Freiwilligen Feuerwehr und der Bundeswehrbrigade gebaut, jetzt wird er von der Kirchengemeinde Meiendorf-Oldenfelde bewirtschaftet. Mittlerweile profitiert in erster Linie der Jugendtreff Oldenfelde in der Greifenberg-Passage von den Mitteln aus der „Milchkanne“, die hauptsächlich Kindern und Jugendlichen zugute kommen, gefolgt von der Schule Kamminer Straße. Bislang gab der Bürgerverein Geld aus der „Milchkanne“ auch für eine Fahrt zu den Karl-May-Festspielen. Ob das in diesem Jahr finanziell machbar sein wird, ist noch offen.
Die Kanne füllt sich überwiegend durch Großspenden beispielsweise bei Straßenfesten oder Familienfeiern wie Goldener Hochzeit und runden Geburtstagen der Mitglieder. „Dann kommen da schon mal ordentliche Beträge zusammen. Sonst könnten wir das gar nicht machen. 2012 haben wir, auch aus Mitgliedsbeiträgen, diverse Projekte mit insgesamt 5.000 Euro unterstützt“, erklärt der Vorsitzende Hans Schuy. Die Milchkanne ist beim Sammeln nur noch selten im Einsatz, beispielsweise bei der Jahreshauptversammlung, wo immerhin 170 Euro zusammenkamen.

Gemeinnützigkeit
beantragen

Der Bürgerverein ist übrigens nicht als gemeinnützig anerkannt, unter anderem, weil er sich kommunalpolitisch betätigt. Jetzt überlegt der Vorstand, die „Milchkanne“ als eigenständigen Verein zu etablieren und dafür die Gemeinnützigkeit zu beantragen. Das Thema steht auf der Tagsordnung der Jahreshauptversammlung am 20. März um 19 Uhr im Vereinshaus des SC Condor am Berner Heerweg 188. „Dann könnten Spenden steuermindernd abgesetzt werden“, erläutert Gert Haushalter, der unter anderem für die Öffentlichkeitsarbeit des Bürgervereins zuständig ist, mit Blick auf zukünftige potentielle Spender. So wären auch für Sachspenden Bescheinigungen möglich. Der symbolträchtige Name soll auf alle Fälle als Bestandteil des zukünftigen Vereinsnamens erhalten bleiben, denn „die ‚Milchkanne’ hat sich als Soziales Projekt in unserem Ortsteil etabliert“, so Haushalter. Über dieses Dankeschön für ihre finanzielle Hilfe freuen sich die Organisatoren der „Milchkanne“ ganz besonders: Sie bekamen kürzlich von den Kindern ein Plakat und das folgende Gedicht:

„Der Oldenfelder Bürger-verein, das muss ein wirklich netter sein.
Seit Jahren spendet er uns Geld, damit hier jedes Kind Frühstück erhält.
Die Lehrer freut es immer sehr, die Schüler dann gar umso mehr.
Zwar nicht im selben Augenblick, doch kehren gute Taten stets zurück!
Drum wünschen wir euch liebe Leut´.
Nun ganz viel Glück und allzeit Freud´.
Herzlichen Dank, die Schüler und Lehrer der Schule
Kamminer Straße.

Weitere Infos über den Bürgerverein und die Milchkanne erteilt Hans Schuy unter
t 47 03 83. www.buergerverein-oldenfelde.de
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