Engagement gegen Dolmetschermangel in der Flüchtlingsarbeit

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Flüchtlingsbetreuung: Bedarf an Dolmetschern steigt weiter an
 
Weiterbildung zum Sprach- und Kulturmittler: Effektiver Weg zum Dolmetscher

In deutschen Behörden herrscht ein spürbarer Mangel an Übersetzungspersonal in der Flüchtlingsarbeit. Neue Angebote und Projekte zur Ausbildung von Sprach- und Kulturmittlern sollen Abhilfe schaffen

Hamburg. Kaum ein Beruf ist derzeit so stark nachgefragt wie der des Dolmetschers. Angesichts unverändert hoher Flüchtlings- und Zuwandererzahlen besteht in diesem Bereich zurzeit landesweit ein wachsender Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften. So suchen diverse Institutionen und Behörden, wie etwa das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), aber auch zahllose Stiftungen und Vereine, händeringend nach Dolmetschern, die bei Gesprächen zwischen Migranten bzw. Flüchtlingen und den betreffenden Institutionen übersetzen. Sie werden überall dort benötigt, wo Angehörige unterschiedlicher Sprachen und Kulturkreise aufeinander treffen und eine vernünftige Kommunikation aufgrund der sprachlichen Barrieren kaum möglich ist. So kommt es beispielsweise bei der Durchführung von Asylverfahren in besonderem Maße auf eine kompetente und detailgetreue Übersetzung an, denn am Ende können winzige Details über die Bewilligung oder Ablehnung von Anträgen entscheiden. Vor diesem Hintergrund kommt Übersetzern eine enorme Bedeutung zu.

Spürbarer Mangel an Übersetzungspersonal in deutschen Behörden

Da jedoch die allerwenigsten Einrichtungen in Deutschland über eigene Übersetzer mit entsprechenden Qualifikationen verfügen, herrscht in diesem Bereich ein enormer Personalengpass. So hat die Deutsche Bundesregierung erst vor kurzem eingeräumt, dass die Behörden unter einem spürbaren Mangel an Übersetzungspersonal leiden und daher kaum in der Lage sind, Asylanträge zügig zu bearbeiten. Insbesondere für Bewerber aus den vier größten Herkunftsländern Syrien, Irak, Afghanistan und Eritrea fehlten nach wie vor hunderte Dolmetscher. Aus diesem Grund schafft das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nicht nur laufend neue Stellen, um dem wachsenden Bedarf an Übersetzern nachzukommen, sondern es fördert darüber hinaus auch verstärkt Integrationsangebote, die sich auf die Ausbildung von Sprach- und Kulturmittlern fokussieren.

Auf pädagogische Herausforderungen der Flüchtlingsarbeit spezialisiert

Jüngstes Beispiel für einen Dienst, der sich der Aus- und Weiterbildung von Übersetzungspersonal widmet, ist die Hayatt Akademie in Hamburg-Wandsbek. Das Unternehmen Hayatt wurde im Jahr 2010 zunächst als Dienstleister für Betreuungs- und Dolmetschertätigkeiten im Rahmen der Flüchtlingsarbeit in Hamburg gegründet. In Zusammenarbeit mit verschiedenen Hamburger Behörden hat die Firma in den vergangenen Jahren einen breiten Pool an qualifiziertem Fachpersonal aufgebaut, das insbesondere auf die pädagogischen Herausforderungen, die sich bei der Flüchtlingsarbeit ergeben, spezialisiert ist. Heute zählen über 300 Dolmetscher, Übersetzer sowie unterstützende Betreuer zum Mitarbeiterstab. Seit seiner Gründung hat Hayatt schrittweise eine Reihe weiterer Dienstleistungen im Bereich Flüchtlingshilfe und -betreuung herausgebildet, darunter das Weiterbildungsprogramm zum Sprach- und Kulturmittler, das im September 2016 zum ersten Mal angeboten wird.

Eine Chance für alle, die als Übersetzer arbeiten wollen

Die Fortbildung richtet sich an alle, die in Zukunft gerne als Dolmetscher oder Übersetzer im Bereich Flüchtlingshilfe arbeiten möchten, bislang aber über keine Berufserfahrung oder die notwendigen fachlichen Qualifikationen verfügen. Insgesamt erhalten 15 Bewerber die Möglichkeit, das nötige Rüstwerkzeug zu erlernen, um als Übersetzer in der Flüchtlingsarbeit tätig sein zu können. So vermittelt der Lehrplan den Teilnehmern nicht nur Sprachkenntnisse und führt sie in die Theorie und Praxis des Dolmetschens ein. Sie erlangen darüber hinaus auch Kenntnisse sowohl über das deutsche Bildungs-, Erziehungs- und Sozialwesen als auch über die gesellschaftlichen und verwaltungstechnischen Strukturen in den jeweiligen Herkunftsländern der Flüchtlinge. Die vermittelten Kenntnisse sollen die Absolventen zu einer Dolmetschertätigkeit in den Bereichen Soziale Arbeit (z.B. Beratungsstellen für Frauen), in Jugend-, Arbeits- oder Sozialämtern, im Bildungsbereich (z.B. Schulen, Bildungseinrichtungen) sowie im Gesundheitssektor (z.B. Kliniken, Gesundheitsämter) befähigen.

Die Weiterbildungsmaßnahme wird von der Bundesagentur für Arbeit gefördert und kann über den Bildungsgutschein finanziert werden. Interessenten können sich unter integration@hayatt-hamburg.de bewerben. Fragen zur Weiterbildung oder Bewerbung werden unter der Telefonnummer 040-307 56 191 beantwortet.
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