Pflegeeltern mit Herz

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Barbara Kornmaul und ihr Mann Alexander Faltusz empfinden es als Geschenk, dass sie ihren beiden Pflegetöchtern ein Zuhause geben dürfen Foto: Grewe

Besuch bei einer Familie in Marienthal. Verein PIFF informiert und berät

Von Elke Grewe
Hamburg. Die kleine Paula (11 Monate) mit dem dunklen vollen Haaren krabbelt lebhaft auf dem Teppichboden herum. Scheu zeigt sie der fremden Besucherin gegenüber nicht. Dass das Mädchen bei Pflegeeltern aufwächst, mag man nicht erahnen. Das Verhältnis zur Pflegemutter Barbara Kornmaul ist sehr innig. „Ja, nur manchmal werde ich von anderen darauf angesprochen, warum Paula dunkle Haare hat. Ich bin eher ein nordischer Typ“, schmunzelt die 47-Jährige. Barbara Kornmaul und ihr Mann Alexander Faltusz (45) haben noch ein zweites Pflegkind: Antonia, 3. „Sie sieht mit ihren hellen Haaren und den blauen Augen wie meine leibliche Tochter aus.“ Die 3-Jährige weiß inzwischen schon, dass sie zwei Mütter hat: Eine „Bauchmutter“, wie sie ihre leibliche Mutter nennt und Barbara, die ihr im Alter von fünf Monaten, herausgenommen aus einer Bereitschaftspflegefamilie, zusammen mit ihren Mann ein geborgenes Zuhause bietet. Im ruhigen familienfreundlichen Stadtteil Marienthal wächst die Kleine jetzt auf und besucht schon einen Kindergarten. Mit ihrem Geschwisterchen versteht sie sich prächtig: „Allerdings kommt es zu den üblichen Eifersüchteleien, wenn Antonia auf Mamas Schoß sitzt, fühlt sich Paula vernachlässigt“, beobachtet Alexander.
Barbara Kornmaul und ihr Mann Alexander Faltusz gehören zu jenen Pflegeeltern, die rund 1300 Hamburger Pflegekindern ein Heim bieten, sie die ehemals zerrütteten Verhältnisse vergessen lassen. Die Idee, Pflegeeltern zu werden, wurde bei Barbara Kornmaul 2012 durch ein Plakat von dem freien Träger PFIFF, das im S-Bahnhof hing, ausgelöst. Auf dem Plakat waren zwei Jungen zu sehen und das Versprechen „Mit denen können Sie was erleben“. „Ich war davon fasziniert und fing sofort an zu überlegen, wie es wäre mit Pflegekindern zu leben. Eine Adoption wäre für uns auch aus Altersgründen wohl nicht in Frage gekommen, und eine Auslandsadoption war für uns nie eine Option“, so Barbara Kornmaul.
Das Ehepaar besuchte kurzentschlossen zwei Info-Abende von PFIFF. Danach war die Entscheidung, Pflegeeltern zu werden, endgültig gefallen und es folgte ein persönliches Gespräch mit einem Berater der Organisation. Dann gab es noch zwei Seminare mit jeweils sechs Abenden, an denen das Ehepaar auf ihre Aufgabe vorbereitet wurden. Und neun Monate später der große Augenblick: Barbara Kornmaul hält die kleine Antonia das erste Mal auf dem Arm. „Das war wirklich ein einmalig bewegender Moment“, schildert die gelernte Logopädin. „Sie war ein richtiger kleiner Sonnenschein für uns, zum Glück auch kerngesund und machte überhaupt keine Probleme.“
Für Barabara und ihren Mann, Biologe von Beruf, stand, schnell fest: „Da wir beide mit Geschwistern aufgewachsen sind, sollte auch Antonia nicht allein bleiben.“ Vor zehn Monaten eroberte das neue Pflegekind Paula, die zuvor in einem Kinderschutzhaus lebte, schnell die Herzen des Ehepaares – und ihres Geschwisterchens! Barbara Kornmal hat für die Pflegekinder Elternzeit genommen: „Ich wusste früher gar nicht, dass das in dem Fall auch möglich ist.“ Aber da das Ehepaar eine eigene Pflegeberaterin von PIFF zur Seite bekommen hat, kann sie sich mit allen Fragen an sie wenden. „Dass beide Pflegekinder irgendwann ihre leiblichen Mütter sehen wollen, ist uns klar und werden wir unterstützen. Wir werden dann sehen, was aus den Kontakten wird“, so Barbara. Viele Pflegekinder leben über mehrere Jahre bei den Pflegeeltern, so die Erfahrungen von PFIFF. Barbar Kornmaul, „Wir sind uns bewusst, dass wir selbst im Vergleich zu diesen Kindern sehr priviligiert aufgewachsen sind, weil wir Kind sein durften und uns nicht um suchtkranke Eltern kümmern mussten. Davon möchten wir etwas zurückgeben und finden es als Geschenk, dass wir mit zwei Pflegetöchtern leben dürfen.“

Was müssen Pflegeeltern mitbringen:
Sowohl verheiratete als auch unverheiratete Paare und Alleinerziehende können Pflegeeltern werden. In jedem Fall sollten sie folgende Merkmale erfüllen: Herzlichkeit, Zeit und Geduld; Belastbarkeit Erfahrungen im Umgang mit Kindern; Humor und eine positive Lebenseinstellung; Kommunikations- und Lernbereitschaft; Ausreichenden Wohnraum und finanzielle Stabilität Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit dem Pflegekinderdienst, dem Jugendamt und der Herkunftsfamilie. PFIFF, Tel.: 410 984-60 oder online unter www.pfiff-hamburg.de/termine/informationsabende/
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