Wi snackt ok Platt

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Gunda Henning ist mit Mecklenburger Platt aufgewachsen. Das Platt schnacken macht ihr ebensoviel Freude wie den Patienten. Foto: Asklepios Klinik

Wandsbeker Klinikpersonal initiiert einmaliges Projekt

Wandsbek. Als Gunda Henning zur Schule kam, musste die Sechsjährige sich an eine andere Sprache gewöhnen: Denn die kleine Rüganerin ist Plattdeutsch aufgewachsen. „Meine Großeltern haben nur Plattdeutsch gesprochen“, erinnert sich die 30-Jährige heute.

Dass sie davon einmal beruflichen Nutzen haben könnte, hätte sie sich wohl nicht träumen lassen. Die Stationsschwester in der Geriatrie der Asklepios Klinik Wandsbek stellte fest, dass viele der älteren Patienten sich freuen, mit ihr Platt schnacken zu können.
So ist die Kommunikation lockerer, die Atmosphäre weniger steif. Auch die Chefärztin der Geriatrie, Dr. Ann-Kathrin Meyer, ist überzeugt, dass der Umgang mit den älteren Menschen in ihrer vertrauten Sprache viel Gutes bewirkt und dass der freundschaftliche Tonfall und Umgangston von „Platt“ die Kommunikation zwischen Pflegekräften, Patienten und Angehörigen erleichtert.

Bundesweit einmaliges Projekt

Der Geschäftsführende Klinikdirektor Christian Strauß sagt: „Wir wissen, wie wichtig Heimatverbundenheit und das Gefühl der Geborgenheit gerade für ältere Patienten ist.“ Die plattdeutsche Sprache böte eine wunderbare Möglichkeit, diese besondere Stimmung zu schaffen. „Viele Patienten, die keinen Lebensmut mehr haben, blühen wieder auf, wenn sie ihre Kindheitssprache hören“, ergänzt Klinik-Pressesprecher Mathias Eberenz.
So entstand die Idee zu einem bundessweit einmaligen Projekt, das zunächst auf den fünf geriatrischen Stationen des Wandsbeker Krankenhauses umgesetzt werden soll. Zum Auftakt des Pilotprojekts „Wi snackt ok Platt“ ist schon mal die Patientenbücherei um etliche pattdeutsche Werke erweitert worden, Anfang nächsten Jahres soll dann auch kostenloser Sprachunterricht für zunächst zwölf Mitarbeiter angeboten werden, den ein pensionierten Lehrer übernehmen wird. Weitere Pflegekräfte und Ärzte sind ebenfalls interessiert und auch die „Grünen Damen“ sollen in das Projekt eingebunden werden. Außerdem stehen im Mai kommenden Jahres vier plattdeutsche Vorträge im Rahmen der „Hanseatischen Nachtvorlesungen“ der Hamburger Asklepios Kliniken auf dem Programm.

Keine Sprachbarrieren

Da heißt es dann unter anderem „Wat is dat mit de krummen Rückens“ oder „De Gallenblos, nix as Arger“. „Ich finde es toll, dass die Sprache nicht ausstirbt“, sagt Gunda Henning, in deren Familie heute allerdings nicht mehr Plattdeutsch gesprochen wird.
Sie weiß allerdings: „Man muss viel Feingefühl haben für die Sprache, sonst hört es sich gestellt an.“ Sprachbarrieren gibt es übrigens nicht, etwa die Hälfte der Patienten versteht Plattdeutsch – auch in der Mecklenburger Variante.

Wer plattdeutsche Bücher für die Krankenhausbibliothek spenden möchte, kann sich unter 18 18 - 82 66 36
melden.
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