Bewährungsstrafe für Hamburger Raser

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Bei illegalem Rennen in Hamburg starb ein Beifahrer. Die Raser erhielten Bewährungsstrafen Symbolfoto: thinkstock

Bei illegalem Rennen starb ein 29-Jähriger. Fahrer standen jetzt vor Gericht

Von Martin Jenssen
Tonndorf/Wandsbek
Es war der Wahnsinn. In zwei sportlichen Edelkarossen rasten acht junge Menschen am 18. Oktober 2015 nachts durch Hamburg. Sie suchten nach einer „geilen“ Diskothek. Es kam zu einem Kräftemessen zwischen den Fahrern Alexander S. (29) in einem Mercedes CLK AMG (367 PS) und Xhulion Q. (31) in seinem BMW. Unter ständigem Fahrbahnwechsel rasten sie über Bargteheider Straße und Stein-Hardenberg-Straße in Richtung Wandsbek. Vor dem Tonndorfer Tunnel an der Kreuzung Sonnenweg bogen sie nach links in die Jenfelder Allee ein. Kurz danach verlor Alexander S., er war mit etwa 100 km/h unterwegs, die Kontrolle über den Mercedes. Das Fahrzeug touchierte auf der regennassen Straße den Bordstein und schleuderte gegen einen Lichtmast. Die Folgen: Auf dem Rücksitz erlag der 29-jährige Dariusz K. seinen schweren Verletzung. Der Mercedes wurde komplett zerstört. Die Feuerwehr musste das Dach absägen, um die eingeklemmten und verletzten Personen aus dem Wagen zu ziehen. Wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und Gefährdung des Straßenverkehrs müssen sich Xhulion Q. und Alexander S. jetzt vor dem Wandsbeker Amtsgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass sich die Freunde im alkoholisierten Zustand ein illegales Rennen geliefert haben. Gefeiert wurde in dieser Nacht der Geburtstag einer Freundin. Die jungen Leute waren auf dem Weg von Volksdorf zu einer Disco am Berliner Tor. Als Zeuge erklärt Pawel C. (25) dem Gericht: „Alexander ist eigentlich kein Raser. Wir haben ihn als ‚Rentnerfahrer‘ bezeichnet, weil er so ruhig fährt!“ Pawel saß neben Dariusz K. auf der Rückbank im Mercedes. Er erlitt durch den Unfall einen offenen Schädel-Basis-Bruch sowie Frakturen der Wirbelsäule und des Brustbeins. Er hat sich bis heute nicht erholt, kann nur 15 Minuten stehen, bevor er sich wieder setzen muss. Erschütternd der Bericht von Patrick J. (31), einem Freund des Getöteten. Er saß bei Xhulion Q. im BMW. Der Zeuge: „Der Fahrer gab immer volle Lotte Gas, fuhr mit 100 bis 120 km/h. Ich dachte nur: Ach du Scheiße.“ Während sie mit dem BMW durch die Jenfelder Allee rasten, verloren sie den Mercedes aus den Augen. Patrick J.: „Es war unheimlich. Auch über Handy konnten wir die Freunde nicht erreichen. Deshalb fuhren wir zurück. Dann sahen wir plötzlich das riesige Aufgebot an Blaulichtfahrzeugen.“ Die Eltern von Dariusz K., die als Nebenkläger auftreten, haben im Gerichtssaal ein großes Foto ihres Sohnes aufgestellt, gegenüber des Angeklagten. Unfallfahrer Alexander S. hatte eine Blutalkoholkonzentration von 0,8 Promille. Zu Prozess-auftakt entschuldigt er sich bei den Eltern. Aussagen zu dem Unfallgeschehen verweigerten die Angeklagten. Das Urteil: Alexander S. erhielt eine Freiheitsstrafe von 15 Monaten zur Bewährung. Er muss ein weiteres Jahr auf den Führerschein verzichten. Xhulion Q. wurde zu neun Monaten auf Bewährung verurteilt. Er erhält den Führerschein erst in zwei Jahren zurück.
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