Bewährungsstrafe für Pflegehelfer

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Bewährungsstrafe für Pflegehelfer Symbolfoto: thinkstock
Hamburg: Ölmühlenweg 78 |

Demenzkranke Seniorin misshandelt. Richterin begründet milde Strafe damit, dass die Zustände katastrophal gewesen seien

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Tonndorf
Im Zimmer der Seniorin Hildegard T. (84) wurde am frühen Morgen des 12. April die Bettwäsche gewechselt. Aus ihrem Zimmer im Seniorenheim „Emilienhof“ in Tonndorf waren dabei laute Schmerzensschreie zu hören. Die alte Dame, die an starker Demenz leidet, wurde von dem Pflegehelfer Jörg-Olaf G. (57) „betreut“, der schon länger in Verdacht stand, mit den alten Menschen nicht gerade sanft umzugehen. Seine Kollegin Sylke H. (36) hörte an diesem Morgen die Schmerzensschreie und beobachtet Jörg-Olaf G. aus einem Versteck vor der Eingangstür zum Zimmer der Seniorin. Sie erklärte später als Zeugin vor dem Amtsgericht Wandsbek: „Mein Kollege hat die alte Frau mit großer Wucht erst nach rechts und dann nach links geschleudert. Das Bett hat dabei gequietscht. Sie hat beim Umlagern ihre Hände vor ihren Bauch gehalten. Er schrie sie an: Das kann ich gar nicht ab. Dabei schlug er ihr auf die Hände.“

Schreie auf dem Handy

Die Schmerzensschreie von Hildegard T. nahm sie mit einem Tonband auf ihrem Handy auf. Die Aufnahme spielte sie ihren Vorgesetzten vor. Der Pfleger wurde noch am gleichen Tag entlassen. Gleichzeitig erfolgte eine Anzeige bei der Polizei. Vom Amtsgericht Wandsbek wurde der Pflegehelfer jetzt wegen „Misshandlung von Schutzbefohlenen“ zu einer Freiheitsstrafe von sieben Monaten auf Bewährung verurteilt (das Wochenblatt berichtete). Die Staatsanwaltschaft hatte eine Strafe von 18 Monaten ohne Bewährung gefordert.

Katastrophale Arbeitszustände

Die Richterin, die das Verhalten des Pflegers stark rügte, begründete die milde Strafe unter anderem damit, dass die Zustände an seinem Arbeitsplatz im „Emilienhof“ katastrophal gewesen seien. In dem Tonndorfer Seniorenheim war am 9. April dieses Jahres Dieter Kottysch (Box-Olympiasieger von 1972) verstorben. Alexandra Kottysch, die Tochter des Olympiasiegers, hat Anzeige gegen das Heim wegen Körperverletzung erstattet. Sie erklärt: Ihr Vater habe in dem Heim schwer leiden müssen. Unter anderem sei er nicht richtig gelagert worden, was zu schlimmen Druckgeschwüren geführt habe.

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1 Kommentar
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Michael den Hoet aus Neustadt | 07.09.2017 | 22:15  
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