Bewährungsstrafe für Unfallfahrer

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Das Urteil für den Unfallfahrer: Ein Jahr und zehn Monaten Gefängnis, zur Bewährung ausgesetzt Symbolfoto: thinkstock

Fahrlässige Tötung, Fahrerflucht und unterlassene Hilfeleistung – so lauteten die Vorwürfe der Anklage

Wandsbek Mit seinem Ford Galaxy raste er mit 90 km/h über die Wandsbeker Marktstraße. Es war am 10. November 2012. Mit seinen Freunden hatte Kurierfahrer Siamak A. (32) auf der Reeperbahn gefeiert. Um kurz nach 3.00 Uhr wollte er seine drei Freunde nach Hause bringen. Die jungen Männer hörten laute Musik. Möglicherweise hat das den Fahrer abgelenkt. Kurz vor der Einfahrt in die Schloßstraße übersah er zwei rote Ampeln, dann knallte er in einen Golf, der langsam aus der Schloßstraße herausfuhr.
Es war ein furchtbarer Unfall, durch den der Fahrer des Golf, Rolf Peter W. (53), getötet wurde. Janett W., die 25jährige Ehefrau, erlitt schwere Verletzungen, ebenso einer der Beifahrer des Unfallverursachers. Wer aber nicht mehr da war, um den Opfern zu helfen, das war Siamak A., der vom Unfallort geflüchtet war. Vor dem Amtsgericht Wandsbek musste er sich jetzt wegen fahrlässiger Tötung, Fahrerflucht und unterlassener Hilfeleistung verantworten.
Ein Zeuge, Taxifahrer Thomas S. (44), schilderte dem Gericht den Unfallhergang: „Ich sah den Ford heranrasen und bemerkte gleichzeitig, wie der Golf langsam aus der Schloßstraße fuhr. Mir war klar, das konnte nicht gutgehen. Ich hörte den Knall. Der Golf ist hochgeschossen, ein Tür des Autos flog uns entgegen. Der Ford war gegen einen Wohnwagen geschleudert, der auf dem Weihnachtsmarkt stand. Aus dem Ford dröhnte laute Musik.“ Die schlimmen Folgen seiner Raserei hatte der Angeklagte zunächst nicht erkannt. Vor Gericht erklärte er: „Nachdem ich aus dem Auto gestiegen war, sah ich eine Frau vor dem beschädigten Golf stehen. Ich dachte, es sei die Fahrerin und meinte, es sei ihr nicht viel passiert. Außerdem stand ich unter Schock. Ich habe deshalb den Unfallort verlassen.“ Erst am nächsten Mittag, als die Polizei bereits mit großem Druck nach ihm fahndete, stellte er sich an der U-Bahn-Station Horner Rennbahn der Polizei. Die Frau, die Siamak A. gesehen hatte, war ein Fahrgast des Taxis von Thomas S. gewesen. Janett W. lag unterdessen verletzt neben ihrem Mann vor dem Golf. „Er bewegte sich noch.Ich habe ihn geküsst, und dachte, alles wird gut“, bsagte sie als Zeugin vor Gericht. Wenige Stunden später teilten ihr im Krankenhaus zwei Ärzte mit, dass ihr Mann an inneren Verletzungen verstorben sei. Die Strafe für den Todesfahrer ist heftig, aber dennoch kommt er glimpflich davon. Das Urteil: Ein Jahr und zehn Monaten Gefängnis, zur Bewährung ausgesetzt. Die milde Strafe rührt zum Teil auch daher, dass sich der Prozessbeginn ohne Schuld des Angeklagten mehrfach verschoben hatte. Den Führerschein bekommt er zurück, da er bereits über zweieinhalb Jahre ohne Führerschein leben musste. Für seinen Kurierdienst hatte Siamak A. deshalb zwei Fahrer einstellen müssen. (je)
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