Diebin flieht im Rolli

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Rabiate Diebin aus Wandsbek erhält zehn Monate Gefängnis mit Bewährung Symbolfoto: thinkstock

Rabiate Rentnerin aus Wandsbek erhält Bewährungsstrafe

Wandsbek Mit ihrem schnittig-schnellen Elektrorollstuhl sauste Rentnerin Heike R. (74) am 6. Juli vergangenen Jahres gegen 15 Uhr durch die Abteilungen der Karstadt-Filiale an der Wandsbeker Marktstraße. Ihr stand der Sinn nach Süßigkeiten und teuren Düften. Kaufhausdetektivin Astrid N. (62) beobachtete die Rollstuhlfahrerin über die Kameraanlage. Sie kannte die Frau bereits und wusste daher: „Die muss man im Auge behalten.“

Detektivin über Fuß gefahren


Über die Überwachungskamera sah die Detektivin, wie leckere Schokolade und teure Parfüms in der Einkaufstasche von Heike R. verschwanden. An der Kasse aber fuhr die Rentnerin nicht vorbei. Als Heike R. mit ihrem Rollstuhl das Kaufhaus verließ, war Astrid N. zur Stelle, um die Rentnerin zur Rede zu stellen. Sie erklärte der Diebin: „Wir sollten jetzt das Spiel beenden.“ Das wollte die Rentnerin aber nicht. Sie gab „Vollgas“ und fuhr der Detektivin über den Fuß. Außerdem verbog sie Astrid N., die den Rollstuhl am Lenker festhielt, noch den Daumen. Die wilde Flucht endete zwischen zwei Sitzbänken vor einem Restaurant an der Wandsbeker Marktstraße. Diebstahl, gefährliche Körperverletzung und Nötigung, so lauteten dann die Vorwürfe, für die sich Heike R. jetzt vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten musste. Sie zeigte sich zunächst nicht sehr einsichtig und erklärte: „Die Detektivin hatte sich vor meinen Rollstuhl gestellt. Da bin ich über ihre Füße gefahren. Da kann ich ja nichts für. Es war keine Absicht. Und dann hat sie meinen Lenker gepackt. Ich habe versucht, ihre Hand zu lösen. Dabei wurde der Daumen verletzt. Auch da kann ich nichts für. Ich konnte ja nicht fahren.“ Die Kaufhausdetektivin hat immer noch schmerzliche Erinnerungen an die alte Dame. Ihr Daumen, den sie drei Monate in einer Schlinge tragen musste, tut heute noch empfindlich weh. Den Diebstahl gab die Angeklagte zu. Leugnen hatte auch wenig Zweck. Die Polizei fand unbezahlte Ware im Wert von 390 Euro in ihrer Tasche. Heike R.: „Ich hatte kein Geld mehr. Das Parfüm wollte ich verkaufen.“ Von dem Geld wollte sie auch einen Teil ihrer Schulden bezahlen, die, so erklärte sie, unter anderem durch ihre Handysucht entstanden seien.

Besserung gelobt


Beeindruckend auch das Vorstrafenregister der Rollstuhlfahrerin: 14 Einträge wegen Diebstahls. Unter Tränen gelobte Heike R. schließlich Besserung. „Ich mache so etwas nie wieder. Mein Sohn geht jetzt für mich einkaufen!“ Das Urteil: Zehn Monate Gefängnis mit Bewährung. Die Richterin: „Eins ist sicher: Beim nächsten Diebstahl gehen Sie ins Gefängnis.“ (je)
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