„Eher einmal zu viel die 110 wählen...“

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Die meisten Einbrecher kommen in der Dämmerung Symbolfoto: thinkstock

Über fünf Prozent mehr Einbrüche in der Region. Aufklärungsquote gering

Von Michael Hertel
Steilshoop/Bramfeld
Sie kommen meistens in der Dämmerung, versuchen bevorzugt Fenster oder Balkon- und Terrassentüren aufzuhebeln. Wenn sie nach wenigen Minuten keinen Erfolg hatten, versuchen sie es beim nächsten Objekt.
Die meisten Einbrüche werden in der dunklen Jahreszeit verübt, erfahrungsgemäß vorwiegend zwischen 16 und 22 Uhr. „Einbrecher sind heutzutage Profis, die einem Gewerbe nachgehen“, berichteten Polizeidirektor Robert Golz vom Polizeikommissariat 37 (Wandsbek) und der Erste Kriminalhauptkommissar Andreas Schweinsberg vom Landeskriminalamt den Mitgliedern des Regionalausschusses. „Die Täter verwüsten die aufgebrochenen Wohnungen selten, und wenn sie gesehen werden, fliehen sie in der Regel.“ Genau 569 Einbrüche registrierte die Polizei 2015 in Steilshoop, Bramfeld und Farmsen-Berne zusammen. Das waren immerhin 28 Taten (+ 5,2 Prozent) mehr als im Jahr davor. „Die Zahl der Einbrüche hält sich auf hohem Niveau, lag allerdings in den 1990-er Jahren noch höher“, erklärte Golz (2012: 587 Taten, 2013: 458 in den genannten Ortsteilen) und gibt zu: „Mit 8,3 Prozent ist die Aufklärungsquote erschreckend niedrig.“ Die Einbrüche verteilen sich ziemlich gleichmäßig auf der Fläche der Ortsteile. Je mehr Wohngebäude, desto mehr Einbrüche. Deshalb liegt der Bezirk Wandsbek hinter Mitte (35 Prozent) mit einem Anteil von rund 14 Prozent an der Gesamtzahl der Hamburger Einbruchsdiebstähle neben Altona und Nord an der Spitze. Insgesamt wurden 2015 in Hamburg laut LKA-Statistik 5.255 Wohnungseinbruchsdiebstähle sowie weitere 3.751 Versuche registriert. Und es
sind kaum noch Drogensüchtige oder einheimische Gelegenheitsdiebe am Werk, sondern „reisende Profis aus Südamerika oder vom Balkan“, berichtet Schweinsberg. Sie kommen unbemerkt über Grenzen, schlagen zu und verschwinden wieder. „Deshalb sind sie schwer zu ermitteln“, so der LKA-Mann.
Wenig spricht dafür, dass sich die Aufklärungsquote in Zukunft wesentlich verbessert. Umso wichtiger ist neben der Repression durch die Polizei (zum Beispiel durch Sonderkommissionen, Verkehrskontrollen) vor allem Vorbeugung und eine gute, aufmerksame Nachbarschaft. Wie man sich und sein Eigentum – auch für wenig Geld – schützen kann, erfährt man in der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle an der Caffamacherreihe 4 (Öffnungszeiten montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr; Hotline: 9 bis 16 Uhr unter Telefon 42 86 70 777). „Dort wird man kostenlos und neutral von Beamten beraten“, weiß Robert Golz. Sein Rat: „Immer ein wachsames Auge auf die Nachbarschaft haben. Und wenn man etwas Verdächtiges sieht, eher einmal zu viel die 110 wählen, als zu wenig.“
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