„Endlich ist es raus!“

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Wegen Handtaschenraub muss sich Patrick T. vor dem Amtsgericht Wandsbek Symbolbild: thinkstock

Angeklagter gesteht weinend Handtaschenraub. Verletztes Opfer mit Blackout

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Jenfeld
Immer wieder brach der Angeklagte bei seinem Geständnis in Tränen aus. Die Protokollführerin musste mit Taschentüchern aushelfen. Schließlich lag ein kleiner Berg durchfeuchteter Papiertücher auf dem Tisch vor Patrick T. (25) Nach dem Geständnis erklärte er erleichtert: „Endlich ist es raus!“
Verantworten muss sich Patrick T. vor dem Amtsgericht Wandsbek, weil er am 22. Juni eine junge Frau (28) gegen 4.00 Uhr morgens im Jenfelder Bekkamp überfallen und ihr die Handtasche geraubt hatte. Die Frau schlug bei dem Überfall mit dem Kopf gegen eine Hauswand, stürzte dann auf den Boden. Sie erlitt eine stark blutende Wunde an der Stirn.
Den Überfall gibt der Gerüstbauer zu. Er habe die junge Frau, die er kannte, von der „Kristallbar“ bis zu ihrer Wohnung im Bekkamp verfolgt. Dort habe er ihr die Handtasche entrissen. Geld fand er in der Tasche nicht. Seine einzige Beute: ein Handy. Die Richterin möchte mehr erfahren. „Warum haben Sie diesen Überfall begangen?“ fragt sie. „Aus Angst“, erklärt Patrick T. schluchzend. Er sei von zwei Männern aus Jenfeld immer wieder erpresst worden. Einer der Männer sei Mitarbeiter einer Spielhalle, der andere sei ein Dealer, von dem er mehrfach Kokain und Marihuana gekauft habe.

T

äter: Ich wurde erpresst


„Die 1000 Euro Schulden, die ich bei den Männern hatte, habe ich längst zurückbezahlt“, berichtet der Angeklagte. Doch die Männer hätten seine Adresse herausgefunden. „Sie standen immer wieder vor meiner Tür. Immer neue Forderungen kamen auf mich zu. Mal verlangten sie 100 Euro, mal 200 schließlich sogar 500 Euro!“Selbst kurz vor Weihnachten hätten die Erpresser ihm sein
ganzes Bargeld abgenommen. Er habe keine Weihnachtsgeschenke kaufen können. Auch vor dem Überfall auf die junge Frau sei er bedroht worden. Er habe gehofft, Bargeld in der Handtasche zu finden.
„Warum sind Sie nicht zur Polizei gegangen und haben die Erpresser angezeigt“, möchte die Richterin wissen. Auch davor habe er Angst gehabt, sagt der Angeklagte. Die Erpresser hätten damit gedroht, seiner Freundin oder seiner Mutter etwas anzutun.

Bar-Chef findet Opfer


Die junge Frau, die von Patrick T. überfallen wurde, kann sich nur daran erinnern, dass sie von hinten attackiert wurde, danach Filmriss. Sie sei bewusstlos gewesen. Gefunden wurde sie von Hassan E. dem Chef der „Kristallbar“, der in seinem Lokal von einem Gast alarmiert worden war. Er setzte sich auf sein Fahrrad, fuhr sofort zum Bekkamp und fand dort die junge Frau in einer Blutlache. Hassan E.: „Ich dachte erst, sie sei tot. Nachdem ich den Rettungsdienst gerufen hatte, kam sie langsam wieder zu sich.“ Der Prozess wird fortgesetzt.
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