Enkeltrickbetrüger „Lolli“ vor Gericht

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Serienmäßiger Trickbetrüger muss sich vor dem Hamburger Landgericht verantworten Symbolfoto: thinkstock

Anklage: Bandenmäßiger Betrug. Auch eine Rahlstedter Rentnerin erleichterte er um 40.000 Euro

Von Martin Jenssen
Rahlstedt
Einer der gemeinsten Fälle aus der Serie von „Enkeltrick-Betrügereien“, die Marcin K. (29) vorgeworfen werden, hat in Rahlstedt stattgefunden. Der Pole, auch „Lolli“ genannt, muss sich zur Zeit vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Dem Großbetrüger werden 43 Betrugstaten vorgeworfen. Bei 16 Fällen soll er mit seiner Bande erfolgreich gewesen sein und dadurch 290.000 Euro erlangt haben. Bei 27 der vorgetragenen Straftaten blieb es bei dem Versuch.

Opfer hatte jahrelang gespart

Eine der Betrogenen ist Gerda H. (89) aus Rahlstedt. Der Angeklagte soll Ende des Jahres 2013 bei ihr angerufen haben. Hinterlistig fragte er die alte Dame: „Rat mal, wer hier spricht?“ Die alte Dame glaubte, einen alten Bekannten zu erkennen. „Hardi, bist du es?“ fragte sie. „Ja, das bin ich“, antwortete der Betrüger.
Und gleich fing er an, der alten Frau etwas vorzujammern. Er sei in großer Geldnot, klagte er. Und dann forderte er sie auf, ihm ganz schnell 50.000 Euro zu leihen. „So viel habe ich nicht“, erklärte die alte Dame treuherzig. „Ich habe nur
40.000 Euro auf dem Sparbuch.“ Der Betrüger überredete sie, das Geld schnell zu besorgen. Außerdem hob sie für ihn auch noch 2000 Euro von ihrem Girokonto ab.
Als sie das Geld zusammen hatte, wurde ein Treffpunkt abgemacht. An der Kreuzung Grömitzer Weg/Alter Zollweg wurde die Übergabe vereinbart. Kurz vor der Übergabe rief der Betrüger noch einmal bei der alten Dame an. „Hier Hardi“, meldete er sich. „Ich kann leider nicht selbst zu dem Treffpunkt kommen. Aber ich schicke einen Boten. Du kannst ihm das Geld getrost übergeben.“ Der Bote stellte sich bei ihr vor, schnappte sich das Geld und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Als Gerda H. später den Betrug erkannte, war sie geschockt. Das Geld, das sie den Betrügern gab, hatte sie mühsam über Jahre für ihren erkrankten Sohn angespart.

Sogenannter „Keiler“

Der Angeklagte Marcin K. soll strategischer Kopf der Bande gewesen sein, die mit der „Enkeltrick“-Masche Millionen verdiente. Als sogenannter „Keiler“ (Anrufer), soll der Angeklagte zahlreiche Betrugstaten in Hamburg und anderen deutschen und mitteleuropäischen Städten vorbereitet haben. Im Juli vergangenen Jahres wurde er in Ungarn geschnappt. Die vor dem Landgericht angeklagten Fälle wurden zwischen dem 1. November 2011 und dem 21. Mai 2014 begangen.

Urteil im Dezember

Für den umfangreichen Prozess gegen Marcin K. wurden 69 Verhandlungstage angesetzt. Möglicher Urteilstermin: 21. Dezember. Unabhängig davon: Auch in Österreich, in der Schweiz und in Luxemburg laufen Verfahren gegen Marcin K. und seine Bande.
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 10.02.2017 | 16:45  
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