Freispruch mit fast unglaublicher Geschichte

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Ali G. erwirkte einen Freispruch vor Gericht nach einer fast unglaublichen Geschichte Symbolfoto: thinkstock

Ali G. musste nach einem Unfall seinen Führerschein abgeben. Vor Gericht konnte er den Richter von seiner Unschuld überzeugen

Wandsbek/Tonndorf In einem Kleinlaster war Landschaftsgärtner Ali G. (42) am 18. Dezember 2015 gegen 21 Uhr über die Wandsbeker Chaussee gefahren. In Höhe der Hausnummer 5 prallte der Kleinlaster plötzlich seitlich in einen geparkten Audi A 7. Nachdem der Kleinlaster zum Stehen gekommen war, krabbelte Ali G. aus der Fahrertür; eine junge Frau nahm die Beifahrerseite. Das wurde von mehreren Zeugen beobachtet. Ali G. stand wackelig auf den Beinen, konnte kaum sprechen. Er hatte, so das Gutachten, 2,00 Promille. Die Polizei nahm ihm sofort den Führerschein ab. Wegen der Trunkenheitsfahrt musste Ali G. sich jetzt vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten. Er tischte dem Gericht eine fast unglaubliche Geschichte auf. „Ich bin nicht gefahren,“ erklärte er: „Am Steuer saß eine Prostituierte aus Bulgarien.“ Er sei damals nicht in der Lage gewesen, der Polizei zu erklären, dass die Frau gefahren sei.

Sorge um verschwundenes Kind


In aller Ausführlichkeit schilderte der Angeklagte, wie er die Prostituierte kennenlernte. Seine von ihm getrennt lebende Frau wohnt mit vier Kindern am Osdorfer Born, er in einem Gartenhaus einer Gärtnerei in Tonndorf. Die Prostituierte habe er am Steindamm in St. Georg kennengelernt. „Wir haben uns angefreundet“, berichtet er: „Am 18. Dezember hat sie mich abends in Tonndorf besucht.“ Am Tag des Unfalls fand in der Gärtnerei eine große Weihnachtsfeier für Kunden und Angestellte der Gärtnerei statt. Gegen 20.30 Uhr bekam er einen Anruf seiner Frau. Die war in Sorge, weil ihr jüngster Sohn nicht nach Haus gekommen sei. Er wollte nach Osdorf fahren, um den Sohn, ein Sorgenkind, zu suchen. Ali G.: „Ich hatte viel Glühwein getrunken, war nicht in der Lage, selbst zu fahren. Aber meine Besucherin hatte einen Führerschein.“ Er forderte sie auf, ihn nach Osdorf zu fahren. Während sie durch Wandsbek fuhren, bekam er einen Anruf seiner Frau, dass der vermisste Junge wieder aufgetaucht sei. Der Prostituierten habe er dann erklärt, sie könne zurückfahren. Sie habe scharf gewendet und sei dann in den Audi geprallt. Sachschaden: 19.000 Euro. Als das Auto stand, sei sie über ihn geklettert und habe ihm den Ausgang auf der Beifahrerseite versperrt. Deshalb sei er aus der Fahrertür geklettert. Kurz danach war die Prostituierte verschwunden. Er habe sie nie wieder gesehen.

Richter glaubt Geschichte


Der Staatsanwalt: „Eine zusammengeschusterte Geschichte!“ Er forderte für den Angeklagten eine Geldstrafe von 4200 Euro und einen weiteren Führerscheinentzug von einem Jahr. Das Gericht aber sprach den Angeklagten frei. Der Richter: „Mich hat der Detailreichtum dieser Geschichte überzeugt.“ Er glaube nicht, dass man so viele Einzelheiten erlügen könne. „Gute Fahrt!“, gab er dem Angeklagten, der seinen Führerschein wieder erhielt, mit auf den Weg. (je)
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 12.01.2017 | 06:02  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 12.01.2017 | 15:41  
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