Hat Manuela M. gemordet?

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Die Angeklagte Manuela M. (li.), der Vorsitzende Richter am Landgericht Wolfgang Backen und Staatsanwältin Tanja Glositzki beim Prozessauftakt im Gerichtssaal Zeichnung: Nancy Tilitz
 
Die Männer schleppen die Überreste des 85-Jährigen in einem Leichensack vom Fundort weg Foto: TVR

Prozessauftakt: 46-Jährige soll Rentner erwürgt und zerstückelt haben

Von Martin Jenssen
Rahlstedt. Es sollte das „perfekte Verbrechen“ werden. Doch es waren Tiere, die es vereitelten. Im Naturschutzgebiet Höltigbaum buddelten sie Leichenteile wieder aus, die eine Rahlstedterin dort vergraben hatte. Seit Freitag muss sich Manuela M. (46) wegen „Mordes“ vor dem Hamburger Landgericht verantworten.
Das Opfer war der ehemalige HVV-Busfahrer Karl-Heinz K. (85). Manuela M. ist die Verlobte seines Sohnes, eine gut ausgebildete Judo-Kämpferin. Das wurde dem alten Mann zum Verhängnis.
Es war der 9. September vergangenen Jahres, als sich nach jetzigen Erkenntnissen Folgendes abspielte: Manuela M. (46) räumte in dem Haus der Familie K. in der Bargteheider Straße gerade die Spülmaschine aus, als Karl-Heinz K. nach Hause kam. Er soll seine Schwiegertochter in spe mit derben Schimpfwörtern beleidigt haben. Das ließ sich die resolute Frau nicht gefallen. Als er die knarrende Holztreppe zur seiner Wohnung im Obergeschoss hinaufschlurfte, folgte sie ihm wutentbrannt. Sie setzte einen Kreuzwürgegriff an und strangulierte ihn so lange, bis Blut aus seinen Ohren lief. Er starb unter dem Würgegriff. Die Staatsanwaltschaft: „Das Opfer war im Moment des Angriffs arg- und wehrlos.“
Manuela M. schleppte die Leiche zwei Treppen hinunter in den Keller. Dort legte sie die Leiche auf Plastikfolien und zerteilte sie mit einer Knochensäge. Zu diesem Zeitpunkt war Manuela M. allein. Ihr Verlobter Ralf K. (42) befand sich zu einer Entgiftungskur auf Fehmarn.
Die Leichenteile von Karl-Heinz K. verstaute die Täterin auf einer Sackkarre und in einem Rollkoffer. Dann muss sie ihrem Verlobten die Tat gebeichtet haben. Er brach seine Alkohol-Entziehungskur ab. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Ralf K. seiner Verlobten half, die Leichenteile seines Vaters am 11. September auf einem schwer zugänglichen Gelände des Naturschutzgebietes zu vergraben Mitte September ging bei der Polizei eine Vermisstenanzeige ein. Tochter Birgit und der Schwiegersohn von Karl-Heinz K. berichteten den Beamten, dass sie von Karl-Heinz K. seit mehreren Tagen kein Lebenszeichen erhalten hätten.

Verwahrloste Wohnung

Der Kriminalbeamte Oskar H. (31) ermittelte am 16. September in der Bargteheider Straße und erfuhr: Karl-Heinz K. lebte von seiner Ehefrau getrennt. Sie lebte inzwischen bei einem Freund in Finkenwerder, half aber manchmal noch ihrem Mann, die Wohnung aufzuräumen. Der 85-Jährige soll in der Nachbarschaft jüngeren Frauen nachgestellt haben, berichteten Bekannte des ehemaligen Busfahrers, der sehr penibel Tagebuch führte. Präzise mit Uhrzeit war alles angegeben, was er tagsüber erledigte und erlebte. Die Eintragungen endeten abrupt am 9. September.
In der unteren Wohnung des Hauses stieß der Beamte auf Ralf K., den Sohn des Opfers. Oskar H.: „Der Mann lag betrunken auf dem Sofa in einer verwahrlosten Wohnung. Überall Bierflaschen.“ Zu seiner Verlobten im Kellerraum ließ Ralf K. den Beamten nicht. Oskar H.: „Er sagte mir, es ginge ihr im Moment nicht besonders gut.“ Am 7. Oktober fand ein Hobby-Fotograf, der im Naturschutzgebiet Höltigbaum Tiere und Pflanzen fotografieren wollte, einen abgetrennten Arm in der Nähe des Stellmoorer Tunnels. Vermutlich ausgebuddelt von Tieren. Der Polizeibeamte Jens-Michael S. (47): „In der Nähe entdeckten wir ein aufgekratztes Erdloch, in dem sich weitere Leichenteile befanden.“

Urteil Ende August

Mit Unterstützung eines Leuchtballons und Spürhunden wurden noch in der Nacht weitere Leichenteile und das Fahrrad des Opfers geborgen. Die Spuren führten zu Manuela M. als mutmaßliche Täterin. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr auch einen Verstoß gegen das „Betäubungsmittelgesetz“ vor. Sie soll Hasch angepflanzt haben. In ihrer Küche wurden 19 Einmachgläser mit Cannabis gefunden. Zum Prozessauftakt wollte die Angeklagte sich nicht zu den Vorwürfen äußern.
Am kommenden Prozesstag, 2. August, so kündigte ihre Verteidigerin an, soll es eine umfangreiche Stellungnahme geben. Die Verteidigung wird versuchen, das Mordmerkmal zu entkräften um möglicherweise auf Totschlag oder sogar „nur“ auf Körperverletzung mit Todesfolge zu plädieren.
Das Urteil soll am 28. August gesprochen werden. Manuela M. droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.
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