Liebesdrama unter Kupferdieben

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Richterin verurteilt Kupferdiebe zu Haftstrafen Symbolfoto: thinkstock

Haftstrafen für Diebesbande nach Bruch in Rahlstedt

Von Martin Jenssen
Wandsbek/Rahlstedt
Weil sie 240 Kilogramm Kupfer geklaut hatten, mussten sich drei Männer und eine Frau vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten. Gefängnisstrafen waren für alle sicher. Aber es ging um die Frage: Bewährung oder nicht? Um seinen „Kopf“ zu retten, tischte Nicolae If. (33), einer der Angeklagten, eine Liebesgeschichte auf: „Ich habe vor einigen Monaten meine Jugendliebe wieder getroffen. Sie arbeitet als Barfrau in Luxemburg. Die Liebe ist neu aufgeflammt.“ Die Frau sei jetzt schwanger von ihm, berichtete er weiter. Er müsse ihr vor der Geburt beistehen. Er flehte das Gericht deshalb an, ihm durch eine Bewährungsstrafe eine Chance zu geben, auf den rechten Weg im Leben zurückzufinden. Während Nicolae If. dem Gericht seine Liebesgeschichte erzählte, saß Elena Ic. (27), seine Hamburger Geliebte, direkt neben ihm auf der Anklagebank. Sie hatte bei dem Diebstahl Schmiere gestanden. Immer wieder verzogen sich ihre Mundwinkel zu einem sarkastischen Lächeln, während ihr Freund den Seitensprung mit seiner Luxemburger Freundin beichtete.
Den Tipp für den Einbruch hatte die Gruppe am Hauptbahnhof bekommen. „Dort haben wir gehört, dass es am Bargkoppelweg in Rahlstedt etwas zu holen gibt“, erklärte Nicolae If. in seinem umfangreichen Geständnis. Neben ihm und seiner Ex-Freundin saßen seine Landsleute Marius T. (34) und Sergiu P. (29) auf der Anklagebank.
Am 24. September waren sie auf dem Gelände einer leer stehenden Druckerei festgenommen worden. In ihrem Wagen befanden sich 240 Kilo Kupferkabel, die sie aus dem Traforaum des Gebäudes entwendet hatten. Reich wären die Angeklagten durch den Verkauf des Kupfers nicht geworden. „Der Kupferpreis liegt zur Zeit bei drei bis vier Euro pro Kilo“, berichtete ein Polizeibeamter, der als Zeuge gehört wurde. Allerdings waren bei früheren Einbrüchen schon mehrere Tonnen Kupferkabel aus dem Gebäude entfernt worden. Ob die Angeklagten auch für diese Einbrüche verantwortlich waren, konnte nicht nachgewiesen werden. Der Gewinn, den die Diebe erzielten, steht in keinem Verhältnis zu dem Sachschaden von etwa 1,2 Millionen Euro, den sie bei der Verwüstung der Innenräume in der Druckerei anrichteten. Nicolae If. erklärte, der Diebstahl sei eine spontane Tat gewesen. Er und die Mitangeklagten hätten in einer Pension nahe des Hauptbahnhofs gewohnt und sich dort zu der Tat verabredet.
Alle Angeklagten waren vorbestraft. Erfahrung mit Kupferdiebstahl hatte allerdings nur Nicolae If., der Buntmetallkabel aus einer Arztpraxis geklaut hatte. Deshalb gab es für ihn keine Bewährung. Da half ihm auch seine Liebesgeschichte nicht. Er muss für ein Jahr ins Gefängnis, ebenso wie Marius T., der unter laufender Bewährung stand. Zu jeweils neun Monaten mit Bewährung wurden Elena Ic. und Sergiu P. verurteilt.
Die Richterin in der Urteilsbegründung: „Gefängnisstrafen auch deshalb, weil ich überzeugt davon bin, dass es sich um keine Spontantat gehandelt hat. So ein Diebstahl muss gut geplant sein.“
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1 Kommentar
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Rainer Stelling aus St. Georg | 11.01.2016 | 15:27  
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