Milde Geldstrafe für derbe Sprüche

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Justizia

Schuldner aus Wandsbek zeigt fast blinden Geldeintreiber (78) an

Von Martin Jenssen
Wandsbek
„Versuchte Nötigung!“ so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen Geschäftsmann Dietrich L. (78) und den Geldeintreiber Wolfgang M. (64). Sie mussten sich vor dem Amtsgericht Wandsbek verantworten. Ihr Opfer, den Werbefachmann Christian M. (72) aus der Wißmannstraße in Wandsbek, hatten sie in Angst und Schrecken versetzt. Die Herren auf der Anklagebank kamen aus „unterschiedlichen Welten“. Der Millionär und Immobilienkaufmann Dietrich L. saß neben dem Rockertypen Wolfgang M., bekannt auch durch sein „literarisches Werk“, das da heißt: „Knarre in Hals hilft immer“. Er schildert darin sein Leben als Geldeintreiber. Der Vorwurf gegen Dietrich L.: Er hatte den Geldeintreiber angeheuert, um 600.000 Euro einzutreiben, die er der Werbefirma von Christian M. geliehen hatte. Die Firma des Wandsbekers geriet 2015 in die Insolvenz. Dietrich L. hatte aber herausbekommen, dass Christian M. noch über erhebliche finanzielle Mittel verfügen sollte. Deshalb hatte er Kontakt zu dem Geldeintreiber aufgenommen. Bei einem Treffen in Güster in Niedersachsen lernten sich der Geschäftsmann und der Geldeintreiber persönlich kennen und schätzen, denn als Spesenvorschuss erhielt Wolfgang M. (Spitzname „Wolle“) einen Briefumschlag mit 12.000 Euro. Außerdem sollte der Geldeintreiber 20 Prozent des von ihm eingetriebenen Geldes behalten dürfen. Um den Geschäftsmann zu entlasten, versicherte Wolfgang M. dem Gericht: „Ich musste ihm versprechen, keine Gewalt anzuwenden.“ Am 22. August machte sich „Wolle“ ans Werk. Er steckte das von ihm verfasste Buch in einen Briefumschlag und ließ es dem Schuldner zukommen. Dazu legte er handschriftliche Drohungen: „Der Kluge zahlt seine Schulden durch einen Vergleich! Der Dumme mit seinem Leben!“. Eine weitere Drohung lautete: „Ich kenne einen Klavierspieler mit acht Fingern, hört sich scheiße an!“
„Wolle“ hatte herausgefunden, dass der Freund von Christian M. ein leidenschaftlicher Klavierspieler war.

Milde Geldstrafe


Statt seine Schulden zu bezahlen, ging der bedrohte Christian M. zur Polizei, erklärte dort: „Ich habe furchtbare Angst“. Die hätte er nicht haben müssen. Der alternde Geldeintreiber kann sich selbst kaum verteidigen, hat nur noch eine Sehkraft von etwa sieben Prozent. Das Gericht verhängte gegen den blinden Geldeintreiber, der von einer geringen Grundrente lebt, eine milde Geldstrafe von 1.500 Euro. Der reiche Geschäftsmann Dietrich L. wurde zu einer Geldstrafe von 20.000 Euro verurteilt.
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