Mutter vor Gericht

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Das Kind wird zur Zeit vom Jugendamt betreut Symbolfoto: thinkstock

Bramfelderin wollte angeblich ihr Baby ersticken

Von Martin Jenssen
Bramfeld
Mit einem schrecklichen Vorwurf muss sich Chella R. (30) auseinandersetzen. Die junge Mutter soll am 20. Juli 2013 versucht haben, ihre damals acht Monate alte Tochter Fahra mit einer lilafarbenen Wolldecke zu ersticken. Auf einem Sofa in ihrer Wohnung an der Bramfelder Chaussee soll sie ihrer Tochter die Decke um den Kopf gewickelt und fest zugedrückt haben. Dabei soll die Marokkanerin auf arabisch „stirb,stirb!“ gerufen haben. Aus Angst soll das Kind laut geschrien und dadurch den Vater alarmiert haben. Der riss die Frau an den Haaren zurück und soll so das Kind vor dem Tod bewahrt haben.
Vor einer großen Strafkammer des Hamburger Landgerichts muss sich Chella R. jetzt wegen versuchten Totschlags an der kleinen Fahra verantworten. Außerdem soll die Angeklagte das Kind an einem nicht mehr bestimmbaren Tag im Oktober 2013 mit einem heißen Dampfbügeleisen bedroht haben. Während sie bügelte, soll sich das Kind weinend an ihrem Bein festgeklammert haben. „Mit der Bedrohung gegen das Kind wollte sie mich provozieren“, erklärte der Ehemann bei seiner Anzeige gegen die Ehefrau.
Keine leichte Aufgabe für das Gericht, herauszufinden, ob die Vorwürfe gegen die Marokkanerin stimmen, denn der einzige Zeuge für diese Taten ist ihr Ehemann Mohammed S. (36), ein aus Ägypten stammender Altenpfleger.
Die Ehe muss für das Paar sehr bedrückend gewesen sein. Aufgewachsen ist die Marokkanerin in einem kleinen Fischerdorf am Atlantischen Ozean. Nach einer gescheiterten Ehe in Marokko kam sie 2011 zu ihrem Bruder nach Aachen. Über Internet wurde nach einem Mann für sie in Deutschland gesucht. Es meldete sich Mohammed S., der eine Familie gründen wollte. Schnell wurde die Hochzeit ausgehandelt. Im November 2012 kam Töchterchen Fahra zur Welt.
Vor Gericht wies die Angeklagte die von der Staatsanwaltschaft vorgetragenen Vorwürfe zurück. Sie erklärte, sie habe keine Deutschkurse besuchen dürfen, und habe in ihrer Wohnung völlig isoliert gelebt mit ganz wenig Kontakten zur Außenwelt. Ihr Mann habe sie gedemütigt und häufig geschlagen, sogar während der Schwangerschaft. Vorübergehend suchte sie Schutz in einem Frauenhaus.
Dagegen erklärte Mohammed S., seine Frau leide an psychischen Problemen und würde sich manchmal selbst schlagen. Ein Scheidungstermin ist anberaumt. Das Kind wird zur Zeit vom Jugendamt betreut. Der Prozess wird fortgesetzt.
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1 Kommentar
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Elke Noack aus Rahlstedt | 28.01.2015 | 13:24  
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