Säure-Attentäter vor Gericht

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Hamburg-Wandsbek: Armin B. schüttete seiner Frau Säure ins Gesicht und steht jetzt wegen schwerer Körperverletzung vor Gericht Symbolfoto: thinkstock

Im November 2016 ging ein Mann Jobcenter Wandsbek auf seine Ehefrau los

Wandsbek Die Sachbearbeiter im Jobcenter Wandsbek waren schockiert. Es war der 6. November vergangenen Jahres gegen 12.30 Uhr, da wurde ihre Kollegin Sonja A. (46) Opfer eines Säure-Angriffs. Ein Glas mit Salzsäure wurde ihr ins Gesicht geschleudert. Einige Tropfen gelangten in ihren Mund und in ihre Augen. Dass ihre Verletzungen nicht schwerer ausfielen, verdankt sie ihren Kolleginnen, die ihr sofort die ätzende Kleidung vom Leib rissen und die betroffenen Hautpartien und die Augen mit Wasser ausspülten. Das Motiv für die Tat war Eifersucht. Der Täter war ihr Ehemann.

Motiv: Verletzter Stolz

Aus verletztem Stolz hatte Armin B. (56), ebenfalls Mitarbeiter des Jobcenters am Friedrich-Ebert-Damm, seine Frau angegriffen. Sie soll sich einem anderen Mann zugewandt haben. Er flüchtete nach dem Anschlag, wurde aber wenige Tage später von der Polizei gefasst. Wegen gefährlicher Körperverletzung muss sich Armin B. jetzt vor der Großen Strafkammer 22 des Hamburger Landgerichts verantworten. Die Szenen einer gescheiterten Ehe, die im Frühjahr vergangenen Jahres endgültig auseinanderging, werden dabei ausführlich geschildert. Nach einem handgreiflichen Ehestreit um den angeblichen Liebhaber der Ehefrau sei sie mit den beiden Kindern (11 und 13 Jahre alt) zu einer Freundin gezogen, berichtet Armin B. Er habe sich alleine gefühlt und an Selbstmord gedacht. Um sie zu erschrecken, habe er überlegt, sich am Balkon aufzuhängen. Auch die Säure sei für ihn selbst bestimmt gewesen, behauptet er. Er wollte die Säure mit ins Jobcenter nehmen, um sie dort vor ihren Augen zu trinken. Doch dann habe sie ihn „falsch“ angesehen und er schüttete ihr die Flüssigkeit ins Gesicht.

Opfer spricht über Anschlag

In ihrer Zeugenaussage berichte Sonja A., wie sie nach dem Anschlag nicht mehr sprechen und kaum noch sehen konnte. Auf Händen und Füßen sei sie in das Nachbarbüro gekrochen. Die Kolleginnen leisteten nicht nur großartige Hilfe sondern verständigten sofort auch Feuerwehr und Polizei. Durch die schnelle Hilfe behielt das Opfer keine sichtbaren Schäden zurück. Nur ihre Sprache ist etwas rauer geworden, weil ihre Stimmbänder verätzt wurden. Im dritten Stock des Jobcenters, wo die Säure ausgeschüttet worden war, musste der Rettungsdienst der Feuerwehr acht weitere Personen versorgen, die über Atemwegsreizungen oder Brennen in den Augen klagten. Der Prozess wird fortgesetzt. (je)
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