Teure Unfälle vor Gericht

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Prozess in Hamburg: 81-Jähriger muss sich für Karambolagen verantworten Symbolfoto: thinkstock

81-Jähriger aus Wandsbek muss sich für Karambolagen verantworten

Von Martin Jenssen
Wandsbek
Es ist ein sensibler Fall, der vor dem Amtsgericht Wandsbek verhandelt wurde. Es geht um ein Thema, das zur Zeit heiß diskutiert wird: die Fahrtüchtigkeit alter Menschen. Der Angeklagte Günter C. ist 81 Jahre alt. Er humpelt, seine Hände zittern, möglicherweise wegen der Aufregung, vor Gericht zu stehen. Grund der Anklage: Er hat zwei leichte Verkehrsunfälle innerhalb von zwei Monaten verursacht. In einem Fall entstand nur ein leichter Sachschaden von 300 Euro. Den Unfall hatte er gar nicht bemerkt. Bei dem zweiten Unfall rasierte er in der Straße Auf dem Königslande an einem parkenden Renault den Außenspiegel ab. Sachschaden: 1039 Euro. „Ich habe den Knall gehört. Dann bin ich rechts ran gefahren und habe gesehen, dass der Renault keinen Spiegel mehr hatte. Ich habe in der Umgebung nach einer Telefonzelle gesucht, um die Polizei zu rufen, fand aber kein Telefon. Ein Handy besitze ich nicht“, berichtet der Angeklagte von seinen Bemühungen, den Unfall zu melden. Schließlich behalf er sich mit einem Stück Pappe, auf dem er seinen Namen und seine Telefonnummer notierte. Er steckte die Pappe hinter den Scheibenwischer. Auch wenn er so zu seiner Verantwortung stand, gilt dieses Verhalten dennoch als Fahrerflucht.

Mann will Führerschein behalten

„Wir wollen ihnen nichts Böses“, redet die Richterin beruhigend auf den früheren Handwerker ein. Sie versucht, ihn dazu zu bewegen, freiwillig den Führerschein abzugeben. „Sie sind noch nie straffällig geworden. Die Frage der Bestrafung steht deshalb nicht im Vordergrund. Es geht darum, im Straßenverkehr schnell und richtig zu entscheiden. Bei zwei Unfällen in so kurzer Zeit ist die Frage, ob sie noch reaktionsschnell genug sind? Stellen sie sich vor, es kommt zu einem weiteren Unfall mit Personenschaden.“ Der Angeklagte will seinen Führerschein jedoch behalten. „Ich kann mir ein Leben ohne Auto nicht vorstellen, brauche das Fahrzeug für meine Einkäufe und Arztbesuche“, erklärt er. „Überlegen sie mal, ob das nicht auch mit einem Taxi möglich wäre“, kontert die Richterin. Der Verteidiger kommt ihr zu Hilfe: „Dem Gericht geht es um den Schutz der Allgemeinheit“, erläutert er seinem Mandanten. Schließlich kann er den Angeklagten dazu überreden, sich freiwillig einem Verkehrstauglichkeitstest zu unterziehen. Ein Kompromiss, der alle Beteiligten an dem Prozess zufrieden stellt. Bis Mitte April soll das Gutachten vorliegen. Am 18. April wird erneut verhandelt. Grundsätzlich ist jeder Verkehrsteilnehmer dazu verpflichtet, selbst einzuschätzen, ob er ein Fahrzeug sicher beherrscht, erklärt die Prüforganisation Dekra. Gesundheitstests im Alter hält die Dekra aber für sinnvoll. Allerdings sollten sie freiwillig sein, da die Unfallstatistik Pflichttests für mobile Senioren nicht rechtfertigt.
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